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Strategische Personalplanung im Zeitalter der KI-Agenten

Viele Unternehmen stehen vor der gleichen Herausforderung: Klassische Personalplanung greift nicht mehr, sobald KI nicht nur unterstützt, sondern eigenständig Aufgaben übernimmt. Stellen wir uns daher ein Unternehmen vor, das KI‑Agenten nicht als Tool, sondern als planbare Kapazität begreift.

Neben klassischen FTE entstehen sogenannte „Agent Slots“. Ein Agent Slot beschreibt eine planbare Kapazitätseinheit für einen KI-Agenten, mit konkreten Aufgaben, Rechten und Leistungskennzahlen.

Rollenprofile und Skill‑Architekturen werden organisationsweit harmonisiert: von Human‑in‑the‑Loop‑Reviewende über Rollen zur Steuerung von KI‑Agenten bis hin zu Verantwortlichkeiten für Sicherheit, Compliance und Governance.

Dadurch verschiebt sich strategische Personalplanung von der Frage „Wie viele Menschen, in welcher Rolle?“ hin zu „Welcher Mix aus Menschen und KI liefert die richtige Qualität, Geschwindigkeit und Resilienz, die regulatorisch sauber und kulturell tragfähig ist?“.

Warum klassische strategische Personalplanung an Grenzen kommt

Die klassische Personalplanung steuert Kapazität über Rollen, FTE und Headcounts. Dieses Modell setzt stabile Prozesse voraus, in denen Wertschöpfung fast ausschließlich durch Menschen erfolgt.

Doch KI beschleunigt Abläufe, übernimmt Aufgabenpakete und verschiebt Verantwortlichkeiten. Starre Stellenpläne reagieren auf diese Dynamik zu langsam. Gleichzeitig bleibt in vielen Bereichen offen, welche Aufgaben zuverlässig vollständig automatisiert werden können und wo menschliche Verantwortung zwingend erforderlich bleibt.

Studien von McKinsey und dem World Economic Forum zeigen: Organisationen scheitern bei KI selten an der Technik, sondern an unklaren Rollen und mangelnden Kompetenzen. Die Personalplanung der Zukunft steuert daher nicht mehr nur Köpfe, sondern gestaltet die Verteilung von Verantwortung zwischen Mensch und Maschine. Idealerweise erfolgt dies in enger Zusammenarbeit mit der IT. Denn hier verändern sich Aufgaben, Rollen und Arbeitsweisen durch KI besonders schnell und das Verständnis für Technologie, Automatisierung und deren Grenzen ist am größten.

Wie sich Arbeit neu verteilt und AI-Agenten Teil des Teams werden

Um Human & AI Capacity planen zu können, muss zunächst die Arbeit selbst betrachtet werden. Auf dieser Basis lässt sich Arbeit in drei Kategorien unterteilen:

  • Empathie und Verantwortung: Aufgaben, die bewusst menschlich bleiben, da sie Vertrauen, Einordnung, Verantwortung oder persönliche Präsenz erfordern.
  • Mensch-KI-Kollaboration: KI‑Agenten übernehmen vorbereitende, strukturierende oder analytische Tätigkeiten, während Menschen Kontext liefern, steuern und Entscheidungen verantworten.
  • Vollständige KI-Automatisierung: Hochgradig standardisierte, datengetriebene Prozesse, die mit klaren Regeln autonom durch KI ausgeführt werden können.

Je nach technologischer Reife, regulatorischem Rahmen und Qualitätsanspruch verschieben sich Aufgaben zwischen diesen Kategorien. Agent Slots machen diese Verschiebungen sichtbar und steuerbar: Aus Planungssicht lässt sich ein Agent Slot ähnlich wie eine Teilzeitstelle behandeln, nur dass er flexibel skalierbar, technisch austauschbar und 24/7 verfügbar ist. So können Teams bewusst entscheiden, welche Aufgabenbündel dauerhaft automatisiert, welche in der Mensch‑KI‑Kollaboration verankert und welche ausdrücklich „human only“ bleiben.

In der Konsequenz verändern sich auch Teams: KI-Agenten übernehmen klar abgegrenzte Aufgaben und werden als Agent Slots zu funktionalen Teammitgliedern, die menschliche Arbeit reduzieren. In der Kapazitätsplanung denken Teams damit nicht mehr nur in Köpfen, sondern auch in der Konfiguration ihrer Agent Slots, etwa für Vorqualifizierung, Dokumentenklassifikation oder interne Assistenz. Im Alltag werden diese Agenten zu kleinen persönlichen Assistenzen. Beispielsweise könnte man bei einem Vorstellungsgespräch schmunzelnd ergänzen: „Ich habe mein Agenten‑Team dabei, das gerade an einer neuen Social‑Media‑Kampagne arbeitet.“

Je stärker dieses Zusammenspiel wird, desto wichtiger werden Transparenz, klare Verantwortung und robuste Steuerungsmechanismen. Für jeden Agent Slot braucht es definierte Verantwortliche, Kennzahlen und Eskalationswege. Deshalb schaffen Unternehmen organisatorische Leitplanken, um den Einsatz von KI und Agent Slots zu steuern, Qualität zu sichern und Eskalationen zu regeln. Die Versicherungsunternehmen Allianz und ERGO haben hierfür beispielsweise zentrale KI‑Governance‑Strukturen etabliert, die Einsatz, Qualität und Eskalationen bündeln.

Wie das Zielbild in der Praxis Gestalt annimmt

Was als Zielbild beschrieben ist, lässt sich bereits heute beobachten – allerdings mit unterschiedlichen Reifegraden.

Der chinesische Versicherer ZhongAn erreicht ein außergewöhnlich hohes Verhältnis von Policen zu Mitarbeitenden, das häufig im sechsstelligen Bereich pro Person liegt. Diese Skalierung gelingt durch radikale Automatisierung. Statt Einzelfälle zu bearbeiten, steuert das Team KI-gestützte Prozesse in Underwriting, Policierung und Schadenregulierung. Dieses Modell verdeutlicht das technische Potenzial, erfordert jedoch ein radikal anderes Betriebs‑ und Rollenverständnis.

Europäische Versicherer gehen einen deutlich evolutionäreren Weg. Die R+V Versicherung setzt mit ihrer KI‑Assistentin Emmie gezielt auf Mensch‑KI‑Kollaboration im Kundenservice. Standardanfragen werden automatisiert beantwortet, während komplexe oder sensible Anliegen bewusst an Mitarbeitende übergeben werden.

Ähnlich pragmatisch agiert die Bayerische. Sie überführt die KI schrittweise aus Pilotprojekten in den Regelbetrieb, etwa in der Antragsbegleitung, E‑Mail‑Bearbeitung oder als interne Assistenz für Wissensarbeit. Mitarbeitende gewinnen Zeit für Beratung, Einordnung und Qualitätssicherung, während KI vorbereitende und strukturierende Aufgaben übernimmt. Organisation und Prozesse werden dabei bewusst mitentwickelt, nicht nachträglich angepasst.

Besonders konsistent wird der Zusammenhang zwischen Human & AI Capacity, Organisationsgestaltung und Personalentwicklung bei der ERGO Group. ERGO versteht KI explizit als Organisations‑ und People‑Thema. Tätigkeiten werden systematisch neu zugeschnitten, sodass KI repetitive und vorbereitende Aufgaben übernimmt, während Mitarbeitende sich auf komplexe, empathische und verantwortungsvolle Tätigkeiten konzentrieren.

Zudem investiert ERGO gezielt in erweiterte Karrierepfade. Über Reskilling‑Programme und eine eigene Academy werden Mitarbeitende auf Rollen vorbereitet, in denen sie mit KI zusammenarbeiten, Ergebnisse bewerten oder deren Einsatz verantworten. Qualifizierungsprogramme werden datenbasiert priorisiert. Also dort ausgebaut, wo sich Aufgaben durch Automatisierung tatsächlich verändern.

Diese Beispiele zeigen, wie Versicherer Arbeit nicht nur automatisieren, sondern bewusst gestalten. Das Ergebnis sind adaptive Betriebsmodelle, in denen Organisation, Arbeit und Entwicklung integriert gesteuert werden.

Was Human & AI Capacity für Organisationen und Mitarbeitende bedeutet

Damit Human & AI Capacity in der Organisation ankommt, braucht es neue Rollenbilder und klare Zuständigkeiten. Es entstehen neue Rollen für Menschen und für KI. Strategische Personalplanung muss beide früh benennen, klar verorten und in der Organisationsstruktur sichtbar machen.

Beispiele für neue menschliche Rollen sind:

  • AI Development Manager (Steuerung KI‑zentrierter Initiativen)
  • AI Integration Specialist (Einbettung von KI in Prozesse und Systeme)
  • Human‑in‑the‑Loop‑Rollen (Qualitätsprüfung und Entscheidungsverantwortung)

Parallel übernehmen KI‑Agenten spezialisierte Funktionsrollen, in Form von Agent Slots, die jeweils verantwortlichen Ownern zugeordnet sind.

Auch Qualifizierung ist ein zentraler Hebel. Skill-Lücken müssen sichtbar gemacht und datenbasiert priorisiert werden. Nicht alle Mitarbeitenden benötigen dieselben KI‑Kompetenzen. Entscheidend ist, wer KI nutzt, wer sie steuert und wer sie verantwortet. So entsteht ein Betriebsmodell, das sich kontinuierlich an Technologie, Markt und Regulierung anpassen kann. Arbeit, Organisation und Entwicklung greifen ineinander. Der Fokus liegt nicht auf Abbau, sondern auf gezielter Weiterentwicklung.

Viele der neuen Rollen entstehen rund um die IT. Deshalb sollte strategische Personalplanung genau dort ansetzen, wo KI entwickelt, integriert und gesteuert wird. Wir unterstützen Versicherer dabei, Human & AI Capacity strukturiert aufzubauen: Wir analysieren Arbeit und Rollen, übersetzen konkrete Use Cases in Agent Slots, machen KI‑ und Skill-Lücken sichtbar und leiten daraus tragfähige Organisations‑ und Qualifizierungsmodelle ab. Unser Ziel ist es, FTE, Agent Slots und Struktur so zu verbinden, dass Veränderung steuerbar bleibt und Mitarbeitende echte Entwicklungsperspektiven erhalten.


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Bild Diana Trinkle

Autorin Diana Trinkle

Diana Trinkle ist Managing Consultant bei adesso und gestaltet Reorganisationen und Transformationen in Unternehmen. Ihr Ziel: technologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, in Personal- und Organisationsstrukturen zu verankern und Unternehmen so resilient und zukunftssicher auszurichten.


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