3. November 2026 von Henrike Lindenblatt
KI ist Vorstandssache: Die sieben Entscheidungen, die aus KI-Piloten ein Agentic Enterprise machen
Die ersten KI-Agenten entstehen oft dort, wo ein konkretes Problem gelöst werden soll: im Kundenservice, im Vertrieb oder in der IT. Doch wenn jeder Bereich eigene Agenten, Datenzugriffe und Regeln entwickelt, drohen neue Silos statt eines skalierbaren Ganzen. Und mit jedem Agenten, der eigenständig handelt, wächst die Frage: Wer verantwortet seine Entscheidungen, und wie behalten wir die Kontrolle über Daten, Modelle und Regeln?
Das zeigt sich auch in den Zahlen: Laut Deloitte setzen nur 11 Prozent der befragten Organisationen agentische Systeme aktiv in der Produktion ein, 42 Prozent arbeiten noch an ihrer Strategie. Viele Proofs of Concept, aber wenig Proofs of Value. Die Ursache liegt selten in der Technologie, denn die Modelle sind inzwischen leistungsfähig genug. Es fehlen die Entscheidungen, die aus einzelnen Piloten eine gemeinsame Fähigkeit des Unternehmens machen.
Der Vorstand muss nicht jedes Modell auswählen. Aber er muss festlegen, welchen Beitrag KI zur Wertschöpfung leisten soll, und dafür eine klare KI-Vision entwickeln. Nur so lässt sich bei der rasanten Entwicklung der Agentic Era mithalten und verhindern, dass Schatten-KI und unklare Verantwortlichkeiten entstehen. Die Vorstandsfrage lautet deshalb nicht: „Wie viele KI-Piloten haben wir?“ Sondern: „Welche Ergebnisse überlassen wir Agenten unter welchen Regeln, mit welcher Verantwortung und auf welcher souveränen Grundlage?“
Genau dafür hat adesso move AI gestartet: Wir richten unser eigenes Geschäftsmodell an der Agentic Era aus und begleiten Unternehmen auf diesem Weg. Aus unserer Erfahrung entscheidet sich der Weg zum Agentic Enterprise an sieben Stellen.
Die sieben Vorstandsentscheidungen: Was es braucht, damit KI skalieren kann
1. Wachstum statt Aktivität messen.
Welche Wirkung soll KI erzielen? Mehr Umsatz, bessere Kundenerlebnisse, schnellere Produkteinführungen oder niedrigere Prozesskosten? Entscheidend ist, den Geschäftswert zu messen, nicht die Zahl der gestarteten Piloten oder eingesetzten Tools.
2. Den Prozess wählen, nicht das Tool.
Der beste Startpunkt ist ein relevantes Kunden- oder Geschäftsproblem. Wo kann ein Agent einen Prozess vom Auslöser bis zum Ergebnis verbessern, anstatt nur einen einzelnen Arbeitsschritt zu beschleunigen? Ein Versicherer, der einen Schaden von der Meldung bis zur Regulierung autonom steuert, verändert sein Leistungsversprechen: von „Wir bearbeiten Ihren Schaden“ zu „Ihr Schaden ist bearbeitet“.
3. Autonomie klar begrenzen.
Was darf ein Agent lesen, entscheiden und ausführen? Wo braucht es Freigaben, menschliche Aufsicht oder eine Eskalation? Diese Grenzen sollten sich nach Risiko und Prozess richten und für Mitarbeitende nachvollziehbar sein.
4. Verantwortung fest verankern.
Wer ist für den Prozess und die Leistung eines Agenten verantwortlich, auch nach dem Piloten? Es braucht klare Zuständigkeiten zwischen Fachbereich, IT, Risiko und Compliance sowie eine Organisation, die neue Rollen und Fähigkeiten ermöglicht.
5. Integration vor Insellösungen stellen.
Agenten schaffen erst dann unternehmensweiten Wert, wenn sie sicher auf relevante Daten und Systeme zugreifen können. Dafür braucht es gemeinsame Architekturprinzipien, wiederverwendbare Schnittstellen und Betriebsstandards.
6. Souveränität und Integrität by design sichern.
Wo liegen die Daten, welche Anbieter und Modelle kommen zum Einsatz, und lassen sie sich wechseln? Transparente Entscheidungen, nachvollziehbare Protokolle und passende Leitplanken stärken Vertrauen und helfen, regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act von Anfang an mitzudenken.
7. Skalierung finanzieren und Piloten beenden.
Ein Pilot braucht von Beginn an Kriterien für den nächsten Schritt: Wird er in den Regelbetrieb überführt, angepasst oder gestoppt? Wer Agenten wie Produkte weiterentwickelt, braucht dafür Teams, Betriebsmodelle und messbare Ziele.
Vom Pilot zum Agentic Enterprise
Kein Unternehmen muss alle sieben Entscheidungen gleichzeitig treffen, aber jedes sollte wissen, wo es steht. Wer sie konsequent miteinander verknüpft, behandelt KI nicht länger als Sammlung einzelner Experimente, sondern als gesteuerte Fähigkeit, die Wertschöpfung verändert.
Immer noch pilotieren oder schon skalieren? Im 90-Minuten-Potenzialcheck klären wir gemeinsam, wo dein Unternehmen auf dem Weg zum Agentic Enterprise steht. Mehr dazu im Focus Topic Paper „Vom AI-Pilot zum Agentic Enterprise“.
Vom AI-Pilot zum Agentic Enterprise
Wie Agentic AI und GenAI messbares Wachstum schaffen