Digitalisierung in der Bauindustrie 2019 (1):

Verbundprojekte SWARM und BIM-Kompetenzzentrum als Treiber der Digitalisierung in der Baubranche

adesso als Digitalisierungspartner bei aktuellen Großprojekten im Bauwesen

Auch das traditionell geprägte Baugewerbe kommt auf dem Weg der digitalen Transformation weiter voran. Wenngleich die Branche im Branchenvergleich in Sachen Digitalisierung noch immer im unteren Drittel rangiert, ist sichtbar, dass sie sich in den kommenden Jahren in Sachen Transformation weiter verstärken wird. Nicht ohne Grund: Gerade größere Bauunternehmen können klar erkennen, dass sich Investitionen in digitale Maßnahmen durch positive Umsatz- und Kostenentwicklung auszahlen.

Allerdings ist das Baugewerbe stärker als andere Branchen klein- bis mittelständisch geprägt und viele kleinere Betriebe setzen digitale Services noch nicht ein, weil es ihnen dafür an Größe mangelt.

Der Bund hat den Nachholbedarf dieses Wirtschaftszweiges erkannt und fördert die Digitalisierung der Branche gleich mit mehreren öffentlichen IT-Projekten in diesem Jahr. Die gute Nachricht: adesso wurde bei drei großen Verbundvorhaben als Digitalisierungspartner mit ins Boot geholt. Wir freuen uns sehr über die Beteiligung an diesen schönen Pionierprojekten für die deutsche Baubranche! Und sind überzeugt, dass sie die Wirtschaft einen gehörigen Schritt voran in die Zukunft bringen werden.

Unsere adesso-Projektleiter Uwe Lutter (Digitalisierung Bauindustrie 1) und Andreas Schulz (Digitalisierung Bauindustrie 2) erklären Ihnen, was die in diesem Jahr gestarteten Bauprojekte jeweils kennzeichnet.

Projekt SWARM treibt mit BIMSWARM-Plattform die Digitalisierung im Bauwesen voran – Nachfolgeprojekt Nationales BIM-Kompetenzzentrum im gleichen Kontext

Uwe Lutter

... ist bei adesso Projektleiter des öffentlich geförderten Forschungsprojektes SWARM (Fördergeber: BMWi) sowie des Projekts Nationales BIM-Kompetenzzentrum (Auftraggeber: BMVI und BMI). Er erläutert die Besonderheiten dieser Vorhaben zur Digitalisierung im Bau.

aditorial: Worum geht es bei SWARM?

Uwe Lutter: Das Ziel von SWARM ist es, eine offene Plattform als Standard für die digitale Zusammenarbeit im Bauwesen zu entwickeln. Diese Plattform nennen wir BIMSWARM. Hieran arbeitet adesso unter der Leitung der Initiative planen-bauen 4.0 gemeinsam mit sechs weiteren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Mit Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums. Laufzeit ist bis März 2021.

Warum wird eine solche Plattform benötigt?

Große Bauvorhaben sind in der Regel sehr komplexe Projekte mit zahlreichen Akteuren. Hier arbeiten Bauherren, Architekten, Statiker, Projektsteuerer, Bauunternehmen und Dienstleister Hand in Hand zusammen. Um diese Zusammenarbeit zu erleichtern, werden digitale Modelle benötigt und auch in vielen Bereichen schon genutzt. Das Stichwort für diese Methode lautet BIM, Kurzform für „Building Information Modeling“ – also digitale 3D-Modelle, auf deren Basis zusammengearbeitet wird. Das erklärt die erste Silbe der Plattform BIMSWARM.

Nun ist es aktuell noch so, dass die Baubeteiligten alle möglichen, teils recht unterschiedlichen IT-Anwendungen, Programme, Dienste und Kataloge nutzen. Das Problem: Diese Tools sind häufig nicht kompatibel und nicht durchgängig nutzbar. Wir haben es also im Baugeschäft mit Medienbrüchen, manuellen Nacharbeiten und veralteten Planungsständen zu tun. Das erschwert die Zusammenarbeit. Projektverzögerungen im Bau sind an der Tagesordnung.

Und die Plattform BIMSWARM kann hier Abhilfe schaffen?

Ja, das ist der Plan! Auf BIMSWARM, einer Art Marktplatz für Tools, werden Softwareprogramme, Services und Daten auf Basis offener Standards zur Verfügung stehen. Die Nutzer können davon ausgehen, dass die auf diesem Marktplatz präsentierten Anwendungen geprüft, sprich nach BIM zertifiziert sind, und sich für die firmenübergreifende Zusammenarbeit eignen.

Wozu ist das wichtig?

Der Digitalisierungsgrad in der Branche ist allgemein noch nicht besonders hoch. Zudem bestehen unter den Firmen teils erhebliche Unterschiede, was die verwendeten Softwareprogramme betrifft. Diese können oft gar nicht interagieren, Schnittstellen sind kaum vorhanden. Unser geplanter Marktplatz BIMSWARM ist hier ein Novum auf dem deutschen Markt.

Das hat welche Vorteile?

Die Nutzer müssen sich nicht ständig fragen: Welche Qualitätsmerkmale sind beim Kauf neuer Anwendungen und Tools relevant? Mit welchem Programm kann ich welche Datei verarbeiten? Welche IT-Produkte sind kompatibel? Die BIMSWARM-Plattform wird der Branche einen Marktüberblick bieten und über Standards und Zertifizierungsverfahren informieren. Zudem unterstützt sie die Kombination von Softwareprodukten unterschiedlicher Hersteller – ob im Planungsbüro, auf der Baustelle oder beim Facility Management nach Baufertigstellung.

Darüber hinaus erspart die Plattform den Baubeteiligten auch die eigene, zeitaufwändige Recherche nach passenden IT-Produkten für ein Bauvorhaben. Wir unterstützen also die Zusammenarbeit der Baubeteiligten, indem eine BIM-basierte Projektbearbeitung in verteilten Projekten möglich wird.

Wer sind die anderen Partner neben planen-bauen 4.0 und adesso?

Wir arbeiten hier zusammen mit derRuhr-Universität Bochum, RIB Information Technologies, think project!, dem Fraunhofer IGD, eTASK Immobilien Software und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Auf der Website des Projektes www.bimswarm.de gibt es alle Informationen dazu.

adesso hat in diesem Jahr auch den Zuschlag für die Mitarbeit am Aufbau eines „Nationalen BIM-Kompetenzzentrums“ bekommen. Worum geht es bei diesem Projekt?

Auch hier arbeiten wir bei adesso eng mit der Initiative planen-bauen 4.0 zusammen. Ziel ist es, ein nationales BIM-Kompetenzzentrum in Deutschland aufzubauen. Dieses soll zukünftig als zentrale Anlaufstelle für die digital gestützte Ausschreibung und Vergabe öffentlicher Bauvorhaben fungieren und alle Bereiche des Planens, Bauens und Nutzens von Bauwerken abdecken. Als Standard hierfür wird natürlich auch die Methodik BIM (Building Information Modeling) zum Einsatz kommen. Die Initiative planen-bauen 4.0 versteht sich ja als Wegbereiterin bei der Einführung von BIM, also von digitalen Geschäftsprozessen in der Wertschöpfungskette Bau, und möchte als Interessensvertretung die Einführung von BIM in Deutschland koordinieren und unterstützen.

Wer ist hier der Auftraggeber?

Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern (BMI) finanziert. Unter der Regie von planen-bauen 4.0 sind insgesamt 18 Partner bei diesem Verbundprojekt dabei und bearbeiten sechs verschiedene Arbeitspakete.

Neben der Unterstützung der interdisziplinären Zusammenarbeit am Bau – welche Vorteile hat BIM als Methodik noch?

Der BIM-Standard bietet die Möglichkeit, neue Technologien, wie beispielsweise Künstliche Intelligenz, Robotik und 3D-Druck, effektiv bei Bauvorhaben zu integrieren.

Worin besteht konkret die Aufgabe von adesso in diesem großen Vorhaben?

adesso wird für die Einrichtung und Pflege des neuen BIM-Portals verantwortlich sein. Dieses soll eine Datenbank mit Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA), Prüfwerkzeugen und BIM-Objekten beinhalten und den Bundesbehörden auf diese Weise standardisierte Werkzeuge und Daten zur Verfügung stellen. So kann einfach geprüft werden, ob die auf öffentliche Ausschreibungen eingereichten Baumodelle die Anforderungen (AIA) der Behörden erfüllen. So kann das BIM-Portal die Vergabeprozesse von Bundesbauprojekten unterstützen. Wir sind überzeugt, dass dies die Digitalisierung des Bauwesens in Deutschland einen großen Schritt voranbringen wird.

Ansprechpartner:

Uwe Lutter
Mail: uwe.lutter@adesso.de

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