Vom Fundament zur KI-Plattform: Der Weg zum datengetriebenen Unternehmen

BARMER

KI im Gesundheitswesen entfaltet ihren Wert erst, wenn eine stabile Datenbasis zentral, skalierbar und sicher nutzbar wird.

Wie die BARMER diesen Grundsatz umgesetzt und darauf ihre KI-Strategie aufgebaut hat.

Mit der KI-Datenplattform haben wir die Grundlage gelegt, Gesundheit wirklich datengetrieben zu denken. Die Gründung von BARMER.KI war für uns der logische nächste Schritt, um alle Daten- und KI-Kompetenzen zu bündeln und unsere digitale Transformation konsequent voranzutreiben.
Dr. Carsten Stahlschmidt, Joint Chief Data & AI Officer, BARMER

Hintergrund

Die BARMER ist eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands. Als Trägerin der Sozialversicherung unterliegt sie strengen regulatorischen Anforderungen, insbesondere beim Umgang mit hochsensiblen Gesundheits- und Sozialdaten. Um im digitalen Wettbewerb langfristig bestehen zu können, startete die BARMER 2021 das strategische Programm „Datengetriebenes Unternehmen“ (DGU). Das Ziel: Daten und Künstliche Intelligenz (KI) systematisch für Versicherte, interne Prozesse und neue digitale Services nutzbar zu machen.


Herausforderung

Die Ausgangslage war komplex: Daten lagen in technischen und organisatorischen Silos, eine Echtzeitverarbeitung war nicht möglich. Zwar verfügte die BARMER bereits über etablierte dispositive Systeme und ein Data Warehouse als Fundament, doch fehlte eine zentrale Plattform, die diese Daten kontrolliert rezipiert und für KI-Anwendungen unternehmensweite nutzbar macht. Darüber hinaus brauchte es eine klare Roadmap für datengetriebene Anwendungsfälle sowie verstärkt interne Expertise für moderne Datenverarbeitung.

Hinzu kam der regulatorische Rahmen: Sozialdaten in der Public Cloud zu verarbeiten, galt im deutschen Gesundheitsmarkt als kaum umsetzbar. Die Anforderungen aus SGB, DSGVO und EU-AI Act waren hoch, belastbare Präzedenzfälle fehlten.


Lösung

adesso begleitete die BARMER als strategischer Umsetzungspartner über den gesamten Programmzeitraum. Dabei war die BARMER stets durch Herangehensweisen wie Pair Programming und systematischen Wissenstransfer aktiv eingebunden und baute so kontinuierlich Kompetenzen im eigenen Haus aus, von der Konzeption bis zum Betrieb. Die Umsetzung erfolgte in zwei aufeinander aufbauenden Phasen:

  • Phase 1 (2022–2024): Fundament legen

Im Zentrum stand der Aufbau einer cloudbasierten Datenplattform als zentrales Ökosystem für alle datengetriebenen Anwendungsfälle. Nach einer Erhebung und Systematisierung der Anforderungen starteten BARMER und adesso eine technologieoffene Markterkundung, bei der die Wahl auf die Public Cloud von Amazon Web Services (AWS) fiel.

Es folgten die Konzeption und Umsetzung, bei der eine mehrschichtige Zonen- und Sicherheitsarchitektur die regulatorische Konformität sicherstellte. Ein Ansatz, der echte Pionierarbeit ermöglichte: Erstmals wurde der Einsatz von Public-Cloud-Diensten für eine gesetzliche Krankenkasse beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) erfolgreich angemeldet.

Mit der Plattform ist die BARMER in der Lage, relevante Daten aus bestehenden Systemen Daten kontrolliert in die Cloud zu bringen und sie dort zentral für Analyse, Datenverarbeitung und KI-Use-Cases bereitzustellen.

Parallel führte die GKV Data-Governance-Strukturen ein, sodass Datenqualität, Compliance und Transparenz stets gewährleistet bleiben. Ein unternehmensweiter Datenkatalog und erste produktive Machine-Learning-Anwendungen wurden ebenso aufgesetzt. Hier kam AWS SageMaker zum Einsatz, ein voll gemanageter Service für die Umsetzung und das Deployment von KI-Use-Cases. Trainings, Workshops und Pair Programming befähigten die Teams, die Plattform eigenständig weiterzuentwickeln.

  • Phase 2 (ab 2024): Zur KI-Datenplattform

Auf dem geschaffenen Fundament entwickelte die BARMER die Plattform konsequent zu einer KI-Datenplattform mit GenAI-Fähigkeiten weiter.

Es entstanden konkrete Anwendungen mit messbarem Mehrwert:

  • Dentalytics automatisiert die Prüfung von Heil- und Kostenplänen im Bereich Zahnersatz und reduziert die Bearbeitungszeit von Wochen auf Minuten.
  • Der BARMER Chat beantwortet als RAG-basierter GenAI-Assistent Anfragen von Versicherten schnell und kontextbezogen.
  • Interne, agentische Chatbots entlasten Mitarbeitende bei Routinetätigkeiten in verschiedenen Fachbereichen.
  • Bestehende KI-Modelle wurden aus On-Premises-Umgebungen in das skalierbare, cloud-native Ökosystem überführt und in standardisierte MLOps-Prozesse integriert.

Für uns war entscheidend, von konkreten Anwendungsfällen und deren Nutzen auszugehen. Die Technologie folgt den fachlichen Anforderungen, nicht umgekehrt. So entstand eine KI-Datenplattform, die die eine belastbare Grundlage für datengetriebene Lösungen und deren nachhaltigen Einsatz schafft.
Stefanie Hubig, Joint Chief Data & AI Officer, BARMER

adesso Leistungen im Überblick

  • Technologieagnostische Markterkundung und Cloud-Plattformentscheidung (AWS)
  • Konzeption und Aufbau einer cloud-nativen, skalierbaren KI-Datenplattform auf AWS
  • Regulatorische Pionierarbeit: Datenschutzkonzepte, Sicherheitsarchitektur und erfolgreiche BAS-Plattformanmeldung für Sozialdaten in der Cloud
  • Einführung von Data Governance, Data Ownership und eines unternehmensweiten Datenkatalogs
  • Entwicklung und Operationalisierung von KI-Produkten wie Dentalytics
  • Migration von On-Premises-ML-Modellen (R → Python/SageMaker) mit End-to-End-MLOps-Pipelines
  • Operative Projektleitung im skalierten agilen Umfeld (über 5.500 Personentage)
  • Enablement-Programm: Trainings, Pair Programming und Workshops für interne Teams

Ergebnis

Das Projekt versetzt die BARMER in die Lage, KI- und GenAI-Anwendungen schnell, sicher und kontrolliert umzusetzen.

  • Produktive KI-Mehrwerte: Anwendungen wie Dentalytics verkürzen Durchlaufzeiten von Wochen auf Minuten. Ergänzt wird dies durch interne Chatbots und einen öffentlichen KI-Assistenten auf der Website.
  • Automatisierung und Effizienz: Standardisierte Datenpipelines und Machine Learning reduzieren manuelle Aufwände und beschleunigen die Entwicklung neuer Services.
  • Data & AI Governance: Klare Rollen, Verantwortlichkeiten und von Beginn an mitgedachte Richtlinien sorgen dafür, dass Datenqualität, Compliance und Transparenz stets gewährleistet bleiben.
  • Technologische Souveränität: Die BARMER betreibt die Plattform heute eigenständig und rechtskonform im Umgang mit sensiblen Daten.
  • Strategische Verankerung: Mit BARMER.KI hat die BARMER 2025 eine Vorstandsstruktur geschaffen, in der alle Daten- und KI-Aktivitäten gebündelt und gesteuert werden.

BARMER.KI ist mehr als ein Technologieprojekt. Es ist eine strategische Antwort auf die Zukunft des Gesundheitswesens. Die Kombination aus cloudbasierter KI-Datenplattform, klarer Governance und Mut zu neuen Wegen setzt neue Standards für die Branche.
Benedikt Bonnmann, Vorstand der adesso SE

IT-Tacheles - der IT-Podcast

Folge 87: KI Einsatz bei Barmer

Acht Millionen Versicherte, 15.000 Mitarbeitende und komplexe Regeln: KI bei der BARMER ist mehr als Technik. In unserem Podcast IT-Tacheles spricht Volker Gruhn mit Stefanie Hubig darüber, wie aus einzelnen Anwendungen eine KI-fähige Organisation wird – und warum der Schlüssel oft in den eigenen Prozessen liegt.

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Die BARMER ist eine der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Ihre mehr als 8 Millionen Versicherten unterstützt sie bei allen Fragen zu Gesundheit, Krankheit und Pflege, inspiriert sie zu einem gesünderen Leben. Die BARMER bietet Hilfe zur Selbsthilfe durch Förderung der individuellen Gesundheitskompetenz. Dafür entwickeln die rund Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innovative Versorgungsangebote und ermöglichen schnellen Zugang zu Neuheiten in Medizin, Prävention, Rehabilitation und Pflege.

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