Interview

Warum leistungsfähige Handelsplattformen für institutionelle Anleger entscheidend sind

Ein fachlicher Austausch auf Augenhöhe

von Nehir Safak-Turhan

Handelsplattformen für institutionelle Anleger wie beispielsweise Pensionskassen, Versicherungen, Fondsmanager oder andere Finanzinstitute spielen eine zentrale Rolle im Kapitalmarktgeschäft. Durch höhere Volumina, komplexere Funktionen, regulatorische Anforderungen und direkten Zugang zu Liquidität unterscheiden sie sich deutlich von Plattformen für Privatanleger. Diese Handelsplattformen halten Liquidität bereit, die den Markt stabilisieren, ermöglichen effiziente Preisbildung durch große, datenbasierte Orders, erhöhen Transparenz und Compliance gegenüber Aufsichtsbehörden und automatisieren komplexe Handelsstrategien.

Das erfordert die Berücksichtigung hoher und spezialisierter Ansprüche an Technologie, Transparenz, Compliance, Integration und Servicequalität. Gleichzeitig ist Individualität ein strategischer Erfolgsfaktor im institutionellen Handel. Handelsplattformen müssen daher nicht nur technologische Exzellenz bieten, sondern auch die Fähigkeit, jeden institutionellen Kunden individuell zu verstehen und zu bedienen.

Die Handelsplattformen der UBS für institutionelle Kunden gehören zu den technologisch fortschrittlichsten Systemen im globalen Investmentbanking. Sie ermöglichen professionellen Anlegern den direkten, elektronischen und regulierungskonformen Zugang zu Märkten weltweit.

In diesem Experteninterview diskutieren wir über die Besonderheiten mit Giorgio Cescato, ETF Capital Markets, UBS Asset Management.


Giorgio Cescato...

... ist seit über 20 Jahren in der Fondsbranche tätig, davon 15 Jahre im ETF-Geschäft bei UBS Asset Management. In seiner Funktion als Investment-Spezialist im UBS ETF Capital Markets Team ist er die zentrale Anlaufstelle für den Primär- und Sekundärhandel von UBS ETFs und berät Kunden zu maßgeschneiderten Handelsstrategien, um sicherzustellen, dass sie beim Handel mit UBS ETFs über den Risiko- oder NAV-Mechanismus enge Preisgestaltung und maximale Liquidität erhalten. Giorgio fungiert auch als Schnittstelle zwischen UBS ETFs und seinen externen Partnern (autorisierte Teilnehmer und offizielle Market Maker) für den Handel mit UBS ETFs.


Nehir: Die UBS gehört zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Was können Sie uns Näheres zu UBS Asset Management und ihren ETFs sagen?

Giorgio Cescato: UBS Asset Management ist einer der weltweit größten Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von über 2 Billionen US-Dollar (Stand: Ende des 3. Quartals 2025). Fast die Hälfte davon (992 Milliarden US-Dollar) entfällt auf passive Strategien – tatsächlich sind wir der größte in Europa ansässige Verwalter von Indexfonds und einer der größten Anbieter von börsengehandelten Fonds (ETFs).

Wir sind mit 38,3 Mrd. USD in 70 Fonds der zweitgrößte Anbieter von währungsgesicherten ETFs auf dem UCITS-ETF-Markt. Anleger können gesicherte Anteilsklassen nutzen, um das Währungsrisiko zu mindern, und dank des von UBS AM verwendeten Anteilsklassen-Frameworks können Anleger zu minimalen Kosten zwischen ungesicherten und gesicherten Anteilsklassen wechseln. UBS AM verfügt auch über ETF-Strategien, die Aktien-, Renten- und Rohstoffengagements nachbilden, wobei wir sowohl synthetische (der Portfoliomanager kauft einen Swap) als auch physische Replikation (der Portfoliomanager kauft die zugrunde liegenden Vermögenswerte) einsetzen.

Im vergangenen Jahr haben wir eine kosteneffiziente Kern-ETF-Palette mit Gesamtkostenquoten von 6 Basispunkten für den MSCI World, 6 Basispunkten für den MSCI Europe und 3 Basispunkten für den S&P 500 sowie unsere ersten aktiven ETFs aufgelegt. Wie der Name schon sagt, können Sie ETFs an Börsen wie Xetra, SIX Stock Exchange, Euronext Milan, Euronext Amsterdam und London Stock Exchange, aber auch über multilaterale Handelssysteme (Bloomberg RFQE, Tradeweb und RFQ Hub) und außerbörslich (OTC) über das System of Systematic Internaliser handeln.

Frage Nehir: Das ist sehr beeindruckend und zeugt von einer hohen Verantwortung. Warum ist es wichtig, eine eigene Plattform für Primärmarkt-Transaktionen zu haben?

Giorgio Cescato: Wir haben ein hochmodernes Order-Submission-Portal (OST) für unsere autorisierten Teilnehmer (APs – globale Investmentbanken und proprietäre Market Maker) eingerichtet, über das sie ETF-Aufträge für den Primärmarkt einreichen können. Da wir über eine eigene Plattform verfügen, haben wir die Kontrolle über die Technologie und können Prioritäten für unser Geschäft setzen. Wir sind nicht von anderen Stakeholdern abhängig und können unsere Prioritäten entsprechend unseren Anforderungen und Budgets festlegen.

Das OST ist vollständig in unsere Portfoliomanagement- und Risikosysteme integriert, sodass wir unseren Portfoliomanagern und APs eine reibungslose und problemlose Erfahrung bieten können. Damit sind die jährlichen Wartungsgebühren niedriger, da bei externen Plattformen oft pro Ticket berechnet wird.

Frage Nehir: Der Markt entwickelt sich stetig weiter und stellt neue Ansprüche. Wo sehen Sie noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten für die Zukunft?

Giorgio Cescato: Wir planen, im ersten Quartal 2026 eine FIX-Konnektivität zu unseren APs zu ermöglichen. Die FIX-Konnektivität wird eine direkte Verbindung zwischen uns und den Ordermanagementsystemen der APs ermöglichen, wodurch operative Risiken reduziert werden und eine Front-to-Back-Automatisierung über Primär- und Sekundärmärkte hinweg angeboten werden kann.

Dies sollte es den APs ermöglichen, unseren Kunden engere Geld-Brief-Spannen bzw. niedrigere Transaktionskosten anzubieten. Wir gehen davon aus, dass die meisten Primärmarktorders über FIX platziert werden. Automatisierung ist im Bereich der UCITS-ETFs sehr wichtig, da APs häufig zwischen den Anteilsklassen eines Teilfonds wechseln, um die Bilanznutzung zu optimieren und die Finanzierungskosten zu minimieren.

Nehir: Sehr spannende Einsichten. Ich danke Ihnen für das Interview.


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