Die Reform ist beschlossen, der Starttermin gesetzt: Ab dem 1. Januar 2027 wird die private Altersvorsorge grundlegend neu aufgestellt. Mit standardisierten Produkten, höherer Förderung und einem renditeorientierten Altersvorsorgedepot sollen mehr Menschen zum Sparen bewegt werden, um die dritte Säule der Altersvorsorge neu zu beleben.
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Altersvorsorgereform 2027: Warum Finanzinstitute jetzt die Voraussetzungen für den neuen Markt schaffen müssen
Die Ende März beschlossene Reform der privaten Altersvorsorge markiert einen tiefgreifenden Wandel: weg von komplexen, oft wenig attraktiven Riester-Produkten hin zu einfacheren, kostengünstigeren und stärker kapitalmarktorientierten Vorsorgeprodukten. Damit eröffnet sich für die Branche ein Milliardenmarkt – und ein neuer Wettbewerb um die besten Angebote beginnt.
„Die Altersvorsorgereform ist ein grundlegender Systemwechsel, der Finanzinstituten neue Chancen eröffnet. Der Wettbewerb entscheidet sich jedoch nicht erst mit dem Inkrafttreten Anfang 2027, sondern bereits heute“, sagt Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender der adesso SE. „Wie hoch die Komplexität tatsächlich ist, zeigt sich besonders im erweiterten Meldewesen und dessen noch engerer Verzahnung mit den Produkten. Wer jetzt in die notwendigen Strukturen, Prozesse und eine schnelle, skalierbare Umsetzung investiert, wird sich entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.“
Mark Lohweber ist Vorstandvorsitzender der adesso SE. (Quelle: adesso SE)
Für Finanzinstitute beginnt damit eine entscheidende Phase. Denn die eigentliche Herausforderung liegt in der operativen Umsetzung. Wo die größten Hürden liegen und worauf es jetzt konkret ankommt, zeigt ein Blick auf fünf zentrale Handlungsfelder:
1. Marktzugang sichern: Der neue Milliardenmarkt ist kein Selbstläufer
Die Reform öffnet den Markt für neue, kapitalmarktorientierte Vorsorgemodelle und spricht gezielt breitere Bevölkerungsschichten an, insbesondere auch bislang unterversorgte Segmente. Staatliche Förderlogiken und steuerliche Anreize sollen eine zusätzliche Nachfrage erzeugen.
Doch der Markt wächst nicht gleichmäßig. Tatsächlich wird er neu verteilt. Digitale Plattformen, Neobroker und Asset Manager setzen bereits auf standardisierte ETF- und Fondsmodelle mit skalierbaren Kostenstrukturen und einfachen Abschlussstrecken.
Bis zum 1. Januar 2027 müssen Angebote, Prozesse und Systeme stehen. Wer jetzt keine wettbewerbsfähigen, kosteneffizienten und digital zugänglichen Produkte aufbaut, wird weder von der Neuverteilung des bestehenden Marktes noch von zusätzlichem Wachstum profitieren.
2. Komplexität beherrschen: Vom Produkt zum integrierten System
Die Reform zwingt Anbieter dazu, Produktlogik, Förderung, Steuern und Kundeninteraktion zusammenzudenken. Ein Altersvorsorgeprodukt funktioniert künftig nur im Zusammenspiel mit einer digitalen Abschlussstrecke, einer Förderberechnung in Echtzeit, integrierter Kommunikation und einer regulatorischen Verarbeitung im Hintergrund. Gleichzeitig müssen Unternehmen eine reibungslose Interoperabilität an den Schnittstellen sicherstellen, also die nahtlose Interaktion mit den weiteren Akteuren im Vorsorge-Ökosystem. Damit entsteht nicht einfach nur ein Produkt, sondern ein durchgängiges System.
Diese End-to-End-Logik müssen Finanzinstitute künftig beherrschen, sonst entstehen Medienbrüche und manuelle Eingriffe, wodurch Skalierbarkeit verloren geht.
3. IT flexibilisieren: Legacy wird zum Wettbewerbsrisiko
Viele Finanzinstitute arbeiten mit historisch gewachsenen Kernsystemen, die für stabile Prozesse ausgelegt sind, allerdings nicht für dynamische Produktlogiken. Die Reform bringt jedoch häufige Anpassungen von Förderparametern, neue Produktvarianten sowie steigende Anforderungen an die Datenkonsistenz mit sich. Das kollidiert direkt mit starren Architekturen.
Ohne flexible Integrationsschichten wird jede Anpassung zu einem Einzelprojekt, was sich negativ auf Zeit, Kosten und Time-to-Market auswirkt.
4. Meldewesen skalieren: Regulierung wird zum Engpass
Mit der Reform wird das Meldewesen zum zentralen Bestandteil der Wertschöpfung. Förderlogiken, Zulagenverwaltung und Behördenkommunikation greifen künftig stärker in operative Prozesse ein. Konkret bedeutet das:
- neue und erweiterte Meldeverfahren
- komplexere Datenanforderungen und Prüfmechanismen
- engere Verzahnung zwischen Produkt, Bestand und Reporting
Was bislang als Pflicht galt, wird geschäftskritisch. Fehler oder Verzögerungen wirken sich direkt auf Förderansprüche, Kundenprozesse und Kundenzufriedenheit aus.
Finanzinstitute müssen ihr Meldewesen daher konsequent automatisieren und standardisieren, sonst wird es zum Flaschenhals und gefährdet die operative Stabilität sowie die Wettbewerbsfähigkeit.
5. Geschwindigkeit erhöhen: Zeit wird zum Wettbewerbsfaktor
Zwischen der strategischen Entscheidung und dem marktfähigen Angebot liegen oft nur wenige Monate – und das bei laufendem Betrieb und parallelen regulatorischen Anforderungen.
Gleichzeitig sind neue Wettbewerber bereits aktiv. Fintechs profitieren von schlanken IT-Architekturen und kurzen Entwicklungszyklen und stellen die Kundenzentrierung klar in den Fokus. Während etablierte Anbieter oft noch lange planen, sind sie bereits im Markt.
Auch bei der Altersvorsorgereform wird der Wettbewerb nicht über Strategie, sondern über Umsetzungsgeschwindigkeit entschieden. Wer zu spät startet, verliert nicht nur Zeit, sondern vor allem Marktanteile. Etablierte Finanzinstitute müssen zudem berücksichtigen, dass die Anpassung ihrer Systeme nach der Entscheidungsfindung operativ mehrere Monate in Anspruch nimmt.
Die Reform ist beschlossen – der Wettbewerb beginnt jetzt
Die Altersvorsorgereform ist kein isoliertes Regulierungsvorhaben. Sie ist ein struktureller Eingriff in Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle. Sie eröffnet Finanzinstituten jetzt die Chance, sich im neu entstehenden Markt strategisch zu positionieren.
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