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Der schnelle Wechsel von IT-Trendthemen kann bei vielen Unternehmen häufig Verwirrung stiften. Das damit verbundene Buzzword-Bingo sorgt dafür, dass man jedes Jahr ein ganzes Wörterbuch zu den aktuellen Themen veröffentlichen könnte. Hier ein paar Beispiele dazu, welche Trends es in den vergangenen 15 Jahren gab: Portallösungen, ERP-Systeme, Big Data, In-Memory-Technologien, Internet of Things (IoT), Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR). Warum aber Trends aus vergangenen Jahren immer noch aktuell sind oder aber sogar die neuen Trends zur Weiterentwicklung benötigen, möchte ich euch anhand des Zusammenhangs zwischen IoT, KI und VR/AR zeigen.

Gemeinsam haben diese drei Trendthemen nicht nur, dass sie aus den letzten vier Jahren stammen, sondern auch, dass sie bereits im letzten Jahrhundert ihren Anfang gefunden haben.

Das letzte Jahrhundert unserer Trends

Die älteste der drei Technologien ist Virtual/Augmented Reality. Diese hatte bereits 1932 ihren technologischen Ursprung. Edwin Land, Mitbegründer der Polaroid Company, entwickelte die Polarisator Brille. Die damals entstandenen Polarisationsfilter werden noch heute zur Erstellung von 3D-Filmen genutzt. Nur so können die beiden, von zwei verschiedenen Punkten aufgenommenen und übereinander projizierten Bilder, dem rechten/linken Auge zugeführt werden. Erst 30 Jahre später baute Morton Heilig den ersten passiven VR-Automaten „Sensorama“. Es ist anzunehmen, dass der Begriff „Virtual Reality“ wie er heute benutzt wird, erstmals 1982 in einem Roman aufgetaucht ist. Ein einheitliches Verständnis wurde aber erst mit der Beschreibung im Oxford English Dictionary im Jahr 1987 geschaffen. Ab diesem Zeitpunkt schreitet die Weiterentwicklung von VR stetig voran, was auch die bis dahin wenig bekannte Augmented Reality berühmt macht. AR begann somit stärker in den Fokus zu rücken. 2002 wurde die heute immerhin noch stattfindende ISMAR (International Symposium on Mixed and Augmented Reality) ins Leben gerufen. Beide Technologien erreichten bis dato ihren Höhepunkt im Jahr 2017 und wurden jedem zugänglich gemacht.

Auch die Künstliche Intelligenz hat eine ähnlich lange Reise hinter sich, bis sie zu dem geworden ist, was wir heute kennen. 1936 bewies der Mathematiker Alan Turing, dass eine Rechenmaschine in der Lage ist, kognitive Prozesse auszuführen, solange diese Prozesse in Einzelschritte zerlegbar und in einem Algorithmus darstellbar sind. Erst 20 Jahre später wird der Begriff Künstliche Intelligenz vom Programmierer John McCarthy auf einer Konferenz am Dartmouth College geprägt. Auf eben jener Konferenz wird das erste KI-Programm der Welt geschrieben. Mit der Erschaffung des ersten Chatbots „ELIZA“ von Joseph Weizenbaum nimmt 1966 die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz Fahrt auf. 2018 konnte eine KI bereits mit zwei Debattiermeistern mithalten oder Friseurtermine im Plauderton vereinbaren - ohne dass jemand merkt, dass eine Maschine spricht.

Das Internet der Dinge ist, auf einem Zeitstrahl betrachtet, die jüngste der betrachteten Technologien. Erst mit der Entwicklung des Internets 1989 durch Tim Berners-Lee konnte diese Idee überhaupt wachsen. Geprägt wurde der Begriff 1999 von Kevin Ashton, einem britischen Technologie-Pionier. Seitdem erfolgt eine stetige Weiterentwicklung der IoT-Möglichkeiten, angefangen bei Cloud-Technologien bis hin zur Vision einer allgegenwertigen IoT-Landschaft (2016).

Die aktuelle Relevanz von IoT

IoT war das Trendthema in den Jahren 2017 und 2018, während KI und VR jetzt ihren Boom in der Unternehmenswelt erfahren. Grundsätzlich rückt IoT damit aber nicht in den Hintergrund und kann schon gar nicht als „von gestern“ bezeichnet werden. Studien zeigen, dass das Thema IoT aber nur langsam an Relevanz in Unternehmen gewinnt: Die Studie „Internet of Things“ des TÜV Süd aus dem Jahr 2019 ergab, dass 56% aller befragten Unternehmen IoT als besonders relevant ansehen. Im Vorjahr waren es noch 51%. Dadurch wird deutlich, dass die Relevanz des Themas immer noch steigt.

Als Grund dafür sind die vielen Möglichkeiten, die IoT bietet und die Frage nach der Datensicherheit zu sehen. Die unerschöpflichen Datenmengen, die erzeugt und meist unstrukturiert gespeichert werden, brauchen Kapazitäten, um verarbeitet zu werden. Viele Unternehmen sehen daher Anwendungsfälle vorwiegend in der Qualitätskontrolle und in einer vernetzten Produktion, in der die Daten überschaubar bleiben.

In Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz oder Augmented Realtiy kann die Vernetzung der Dinge allerdings ihren großen Durchbruch erzielen.

Wie KI vernetzte Dinge intelligent macht

Einerseits hilft die Erhebung von Daten im IoT-Bereich dabei, Dinge intelligenter zu machen als sie vorher waren, andererseits führen vernetzte Dinge Echtzeit- und Post-Event-Analysen durch. Mit Hilfe von Machine Learning oder Deep Learning können so Muster erkannt werden, welche den Gebrauch von IoT-Produkten erleichtern. KI bietet die Chance, diese Muster und Analysen zu verarbeiten und sie zu verwerten. Ein Smart Home zum Beispiel sammelt über viele Sensoren Daten, zum Beispiel über den Wasserverbrauch oder die Heizungsnutzung. Aber „Smart“ wird es erst mit Hilfe von intelligenten Applikationen, welche die Muster in den Daten erkennen und den Verbrauch darauf basierend regulieren. Ein weiteres Beispiel, wie IoT und KI zusammenarbeiten ist die Möglichkeit von autonomen Technologien. Ein autonomes Auto oder besser gesagt die enthaltene KI, kann mit Hilfe von Sensoren und den erhobenen Daten einschätzen, wann zum Beispiel die Bremse betätigt werden muss oder wann eine Ampel auf Rot umgeschaltet hat, um ein vernünftiges Fahrtverhalten zu reproduzieren.

Warum vernetzte Dinge AR erst groß rausbringen

Jeder kennt „Pokemon Go“ als den großen AR-Trend der letzten Jahren. Das Potenzial von AR beschränkt sich aber nicht auf die Nutzung von Apps. Mit der Digitalisierung in Fertigungsbetrieben werden auch dort zunehmend IoT-Produkte eingesetzt. Mit Hilfe der Vernetzung von Maschinen und Betriebsstätten können Service-Dienstleister internationalen Konzernen bei Problemen sofort Hilfestellung leisten. Die Servicekraft kann sich somit mit einem Smartphone vor Ort verbinden und dank AR direkte Hinweise auf den Bildschirm projizieren, wenn die Problemstelle im Bild ist. Aber auch Fachwissen kann dadurch einfacher geteilt werden. Zum Beispiel können andere Personen bei einem kurzfristigen Ausfall einer Fachkraft die Arbeit übernehmen und durch eine AR-Anwendung auf dem Smartphone oder einer Smartbrille jeden Schritt nach Anleitung durchführen.

Fazit

Unternehmen sollten nicht jedes Jahr einem neuen großen IT-Trend hinterherjagen. Das wäre nicht nur schlecht für eine konstante Weiterentwicklung, sondern auch für die Ressourcen. Darüber hinaus ist es wichtig, die Zusammenhänge der Trends im Blick zu haben, denn eine zielführende Zusammenarbeit der Technologien kann mehr erreichen als ein planloser Einzeleinsatz. Dass hierbei die Unterstützung von Fachkräften nötig ist, zeigt nicht, dass ein Unternehmen längst veraltet und zurückgeblieben ist, sondern nur, dass hier auf die Qualität der Umsetzung geachtet wird.

Auch bei uns dreht sich jedes Jahr alles um den neusten Trend, da wir aber viele unterschiedliche Schwerpunkte haben, liegen unsere Stärken auch in „vergangenen“ IT-Trends.

Ihr möchtet mehr zu spannenden Themen aus der adesso-Welt erfahren? Dann werft auch einen Blick in unsere bisher erschienen Blog-Beiträge.

Picture Lisette  Korte

Autorin Lisette Korte

Lisette Korte ist als IT-Consultant im Bereich Digitalisierung bei adesso in Köln tätig. Sie beschäftigt sich gerne mit aktuellen Trends im Bereich des Internet of Things und hat ihren Aufgabenschwerpunkt im Requirements Engineering.

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