adesso Blog

Warum Rollen sich jetzt gerade radikal verändern

Cloud und KI entwickeln sich rasant, doch viele Organisationen arbeiten noch mit Rollenbildern aus der Host- und Silowelt. Während Technologie Releases im Stundentakt erlaubt, bremsen veraltete Organisationsstrukturen, Zuständigkeiten und fehlende Skills den echten Fortschritt. Dieser Blog-Beitrag zeigt, warum wir Rollen jetzt neu denken müssen und wie klare Zielbilder, Governance und Reskilling dafür sorgen, dass Menschen die neue Technologie steuern, statt von ihr ersetzt zu werden.

Wichtig dabei: Personalabbau ist kein Naturgesetz der Transformation. Er ist oft die Folge einer verschleppten Anpassung. Wer die Weichen früh genug stellt, kann den Wandel mildern.

Wir beleuchten nachfolgend, wie Organisationen den ‚Skill-Gap‘ durch klare Entwicklungspfade schließen und Strukturen schaffen, in denen Cloud & KI nicht als Bedrohung, sondern als integraler Teil neuer, zukunftsfähiger Profile begriffen werden.

Von klassischen Silos & Rollenbildern zu datengetriebenen Produktteams

Wie solche Strukturen konkret aussehen können, zeigt der Blick auf unsere Aufbau‑ und Teamstruktur: Wir bewegen uns weg von klassischen Funktionssilos hin zu einer Logik, in der das gemeinsame Produkt im Mittelpunkt steht. Früher definierte der Fachbereich Anforderungen, die IT setzte sie um und die Security erteilte am Ende die Freigabe. Heute verschwimmen diese Grenzen.

Cloud-Plattformen und KI-Tools nehmen uns Routineaufgaben ab und schenken uns neue Freiräume, in denen Teams echte End-to-End-Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig bietet die neue Organisationslogik die Chance, die eigene Rolle aktiver zu gestalten.

Es geht darum, Verantwortung für Themen wie Kosten (FinOps) oder Ausfallsicherheit (Resilience) Schritt für Schritt in den Alltag zu integrieren. Genau hier liegt der Mehrwert: Wir arbeiten nicht mehr nebeneinanderher, sondern gestalten gemeinsam ein lebendiges Produkt, unterstützt durch KI-Agenten, die wie kleine Zusatzteams wirken.

Die zentrale Frage ist also nicht, welches Tool wir kaufen, sondern wie wir eine Kultur schaffen, in der jede und jeder Verantwortung übernimmt und den Wandel mitgestaltet. Besonders sichtbar wird dieser Kulturwandel an unseren Rollenbildern und Aufgabenprofilen.

Business- und IT‑Rollen im Wandel – drei Profile im Reality-Check

Wenn sich Produkte, Teams und Verantwortlichkeiten verändern, können Jobprofile nicht gleichbleiben. Wer heute im Unternehmen als Product Owner, Engineer oder in Security & Governance unterwegs ist, wird 2030 ein anderes Rollenverständnis brauchen, um relevant zu bleiben.

Schauen wir uns deshalb diese drei Kernrollen im Reality-Check an – mit einem ehrlichen Blick auf IST 2026 und SOLL 2030.

Vom Product Owner zum AI Product Owner
  • IST 2026: Heute ist der Product Owner in vielen Unternehmen vor allem Übersetzer zwischen Fachbereich und IT – stark in Abstimmung & Stakeholdermanagement, häufig schwächer in Daten- und Technologiethemen. JIRA Backlogs werden zudem manuell gepflegt und KI-Use-Cases laufen eher nebenbei.
  • SOLL 2030: 2030 wird daraus ein AI Product Owner, der Geschäftsprobleme gezielt in daten- und KI-basierte Lösungen übersetzt, AI-Agents selbstverständlich für Analyse und Backlog-Arbeit nutzt und die Regeln von AI-Governance und Datenschutz bestens beherrscht. Wert entsteht nicht mehr durch Ticketverwaltung, sondern durch das orchestrierte Zusammenspiel von Menschen, Daten und KI.

Wenn wir das nicht aktiv entwickeln, konkurriert der manuell verwaltende PO 2030 direkt mit AI-Assistants und die sind in Geschwindigkeit, Konsistenz und „Backlog-Fleiß“ klar im Vorteil. Wert entsteht dort, wo wir die Möglichkeiten von Cloud & GenAI in konkrete, regulierungskonforme Produkte mit Business Mehrwerten übersetzten. Das ist die neue Kernaufgabe des AI POs.

Vom Developer zum Cloud Engineer & Platform Engineer
  • IST 2026: Der klassische Developer implementiert heute Features im Fachsystem, während Infrastruktur, Betrieb, Sicherheit und Kosten meist bei anderen Teams liegen. CI/CD und Automatisierung sind vorhanden, aber nicht immer konsequent genutzt, GenAI-Tools für Code oder Tests eher Experiment als Standard.
  • SOLL 2030: 2030 ist der Developer ein Cloud-native Engineer, der auf Plattformen arbeitet, Infrastructure as Code nutzt, AI-Agents täglich für Code, Refactoring und Tests einsetzt und gemeinsam mit dem Team Verantwortung für FinOps, Resilience und Observability übernimmt. Entwicklung bedeutet dann: Feature, Betrieb und Qualität von Anfang an zusammendenken.

Wenn wir das nicht tun, bleiben Teams in klassischen „JIRA-Ticket-Fabriken“ in einer Plattform-Welt und werden von Cloud-native Wettbewerbern mit AI-gesützten Delivery-Pipelines in Time to Market, Qualität und Kosten überholt.

Von Security-Gatekeeper zu Embedded Security & AI Governance
  • IST 2026: Heute agiert Security in vielen Organisationen als Gatekeeper am Ende: Konzepte werden geprüft, Checklisten abgearbeitet, Freigaben erteilt – oft manuell und dokumentenbasiert, Cloud- und AI-Risiken werden reaktiv im Einzelfall adressiert, Teams erleben Security eher als Bremse.
  • SOLL 2030: 2030 wird Security als embedded Security & AI Governance früh in Produktteams integriert, arbeitet mit automatisierten Kontrollen, Continuous Compliance und Policies as Code und etabliert klare Leitplanken für den verantwortungsvollen Einsatz von GenAI. Aus der späten Kontrolle wird damit ein früher Enabler, der Geschwindigkeit und Regulierung zusammenbringt.

Rollen wie AI Governance Lead oder AI Risk Officer gewinnen an steigender Bedeutung. Wer diese Governance und die skizzierten Zielprofile nicht aktiv entwickelt, steht 2030 vor einer unattraktiven Wahl: Innovation ausbremsen – oder in technische, regulatorische und personelle Risiken hineinlaufen.

Skill Transition: Vom Rollen-Gap zur Entwicklungschance

Nach dem Reality‑Check der Rollen stellt sich die praktische Frage: Wie kommen wir vom heutigen Profil zum Zielbild 2030, ohne Menschen unterwegs zu verlieren? Statt nur neue Jobbeschreibungen zu erfinden, schärfen wir bestehende Profile und machen sichtbar, wie sich deren Reifegrad in Bezug auf KI- und Cloud Schritt für Schritt weiterentwickeln kann.

Dazu wird eine as‑is/to‑be‑Rollenlandkarte erstellt: Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Stakeholder sowie fachliche, technische und soziale Skills werden pro Rolle detailliert und transparent beschrieben. Auf Basis bereits sichtbarer Entwicklungen, etwa Jira‑/Confluence‑Agenten, die Product Ownern und Business Analysten Routinearbeit abnehmen, werden rollenspezifische Up‑ und Reskilling‑Pläne abgeleitet. Es wird festgelegt, welche technologischen Entwicklungen für die Organisation relevant sind und in welcher Tiefe die jeweiligen Rollen sie künftig beherrschen sollen. So entsteht ein klares Bild, wo Kompetenzen ausgebaut werden müssen. Parallel wird entschieden, welche Jobprofile langfristig noch benötigt werden und welche perspektivisch auslaufen. Daraus entsteht eine Karrierepfad‑Matrix, die aufzeigt, von welcher Rolle A sich jemand in Rollen B, C oder X weiterentwickeln kann – inklusive der dafür notwendigen Maßnahmen.

Konkret an einem Beispiel: Die Evolution des Product Owner zum AI Product Owner

Die Schritte zu einem KI fähigen Rollenbild:

  • Ausgangspunkt: Klassischer Product Owner
    • stark in Moderation, Priorisierung und Stakeholdermanagement
    • überwiegend manuelle Backlog-Pflege
    • arbeitet mit ausgewählten KPIs, ist aber nur begrenzt in die Unternehmensdatenlandschaft und KI-Initiativen eingebunden
  • Stufe 1: Data-informed Product Owner
    • vertieft seine Daten- und KPI-Kompetenz, um mit der wachsenden Menge und Komplexität von Unternehmensdaten souverän umzugehen
    • setzt GenAI-Tools gezielt als Unterstützung für Recherche, Formulierung von User Stories und Akzeptanzkriterien ein
    • entwickelt diese Fähigkeiten über kompakte, praxisnahe Trainings zu Prompting und KI gestützter Dokumentation (Protokolle, Zusammenfassungen, Backlog-Bausteine)
  • Stufe 2 / Zielbild 2030: AI Product Owner
    • übersetzt Geschäftsprobleme systematisch in daten- und KI basierte Features und Use Cases
    • arbeitet routiniert mit AI Agents für Backlog-Analyse, Hypothesenbildung und Impact Abschätzung
    • kennt die Leitplanken von AI Governance und Datenschutz und berücksichtigt sie in Priorisierung und Produktstrategie

Zu jeder Zielrolle gehören klar beschriebene Lernschritte, passende Qualifizierungsangebote und ein realistischer Entwicklungszeitraum. Skill-Matrizen machen transparent, welche Fähigkeiten heute erforderlich sind und welche Kompetenzen als nächstes aufgebaut werden sollen. Mitarbeitende benötigen konkrete Lern- und Experimentiermöglichkeiten – etwa kurze, praxisnahe Formate, Lab-Settings, Communities of Practice oder Shadowing in AI-Use-Cases.

Diese Entwicklungsroadmaps werden in Mitarbeitenden Gespräche eingebunden, in denen neben der aktuellen Performance auch die geplante Rollenentwicklung, Lernziele und mögliche Projektwechsel vereinbart werden. So wird deutlich, dass die Organisation aktiv in die Weiterentwicklung ihrer Rollen investiert. Entscheidend ist, dass dieser Wandel als Chance erlebt wird, die eigene Rolle weiterzuentwickeln. Führungskräfte schaffen dafür den Rahmen, indem sie Lernzeit priorisieren, Experimente ermöglichen und offen adressieren, wie sich Profile bis 2030 verändern sollen. So wird aus dem Rollen-Zielbild gelebte Praxis und aus dem Skill-Gap ein gestaltbarer Übergang in die Cloud- und GenAI-Arbeitswelt.

Fazit: Wir müssen JETZT ein Zielbild für 2030 entwickeln

Die Beispiele im Reality-Check zeigen: Rollen verändern sich bereits. Die Frage ist, ob wir diesen Wandel steuern oder von ihm getrieben werden. Aus unseren Projekten wissen wir: rund 70 Prozent des Erfolgs von Cloud- und GenAI-Transformation hängen nicht an der Technologie, sondern an Organisation, Menschen und Kultur – also daran, ob Rollen und Skills zur neuen Welt passen.

Damit ihr nicht abwartet, bis der Veränderungsdruck zur Krise wird, bieten wir konkrete Einstiege, mit denen wir euch bei adesso begleiten:

  • AI-Readiness & Skills Check: Wir analysieren gemeinsam, wie fit eure Schlüsselrollen für Cloud & GenAI sind und wo der dringendste Handlungsbedarf liegt.
  • Technology Impact Simulation & Mini-Transformation: Wir simulieren, was passiert, wenn AI-Agenten wirklich produktiv eingesetzt werden: Welche Prozesse und Rollen verändern sich, und welchen Einfluss hat das auf Personal- und Organisationsstruktur? Diese Szenarien testen wir mit euch in einem ausgewählten Produkt- oder Fachbereich.
  • Gap-Analyse für 3–5 Schlüsselrollen: Gemeinsam mit HR, IT und Fachbereich schärfen wir eure Kernrollen bis 2030 und leiten eine pragmatische Roadmap für eure Organisation der Zukunft ab.

Unser Anspruch bei adesso: Die Fähigkeiten, die eure Organisation morgen benötigt, entwickeln und testen wir bereits heute an eurer Seite. Wenn ihr Rollenbilder nicht nur verwalten, sondern aktiv neu definieren wollt, lasst uns sprechen – und gemeinsam ein Zielbild entwickeln, das eure Organisation 2030 wettbewerbsfähig, resilient und attraktiv für Talente macht.


GenAI

Voraus statt hinterher

Cloud & Generative AI eröffnen neue Möglichkeiten – aber nur, wenn Organisation, Rollen und Skills Schritt halten. Wie adesso Unternehmen dabei unterstützt, GenAI verantwortungsvoll und wirksam in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Mehr erfahren


Bild Kornelia Schaffranka

Autor Kornelia Schaffranka

Kornelia Schaffranka ist Managing Consultant bei adesso und begleitet Versicherer bei Cloud- und GenAI-Transformationen. Ihr Anspruch: Technologie, Business und Menschen so zu verbinden, dass aus Cloud & GenAI messbarer Geschäftsnutzen und zukunftsfähige Organisationen entstehen.

Bild Diana Trinkle

Autorin Diana Trinkle

Diana Trinkle ist Managing Consultant bei adesso und gestaltet Reorganisationen und Transformationen in Unternehmen. Ihr Ziel: technologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, in Personal- und Organisationsstrukturen zu verankern und Unternehmen so resilient und zukunftssicher auszurichten.

Kategorie:

Methodik

Schlagwörter:

GenAI

Künstliche Intelligenz (KI)

Cloud


asdf

Unsere Blog-Beiträge im Überblick

In unserem Tech-Blog nehmen wir Sie mit auf eine spannende Reise durch die adesso-Welt. Weitere interessante Themen finden Sie in unseren bisherigen Blog-Beiträgen.

Zu allen Blog-Beiträgen

asdf

Unser Newsletter zum adesso Blog

Sie möchten regelmäßig unser adesso Blogging Update erhalten? Dann abonnieren Sie doch einfach unseren Newsletter und Sie erhalten die aktuellsten Beiträge unseres Tech-Blogs bequem per E-Mail.

Jetzt anmelden