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Zum Hintergrund: Ich habe am 15.01.2026 an der EZB-Fokussession zum Piloten teilgenommen. Die wichtigsten Punkte (Pilotumfang, Use Cases, Zeitleisten, PSD2-Rahmen) sind in den unten stehenden Entscheidungsfahrplan integriert.

Executive Briefing (in 60 Sekunden)
  • Zeitfenster: Die EZB veröffentlicht im März 2026 den „Call for Expression of Interest“ und wählt ab H2 2027 geeignete PSPs für den 12-Monats-Piloten aus (realweltliche Transaktionen in einem kontrollierten Umfeld). Eine mögliche Erstausgabe ist ab 2029 denkbar, sofern die Digital-Euro-Verordnung 2026 verabschiedet wird.
  • Pilotumfang: vier Use Cases – P2P-Alias (online), P2P-NFC (offline), P2B-SoftPOS (im Geschäft) und P2B-e/mCommerce (online) – mit ca. 5.000 bis 10.000 internen Endnutzern des Eurosystems und 15 bis 25 Händlern. Die DESP (Digital Euro Service Plattform) stellt zentrale Funktionen (u. a. Tokenisierung, Alias-Komponenten, Settlement-Layer, Referenz-App/SDK) bereit, während die PSPs Front- und Backend liefern.

Rechtslage im Piloten: Die Abwicklung erfolgt als Eurosystem-Verbindlichkeit in buchmäßiger Form unter PSD2 (kein gesetzliches Zahlungsmittel, aber zielbildnah).

2026 ist ein Entscheidungsjahr: Decision Map für Banken & PSPs

Drei strategische Grundentscheidungen

1. Pilot Teilnahme ja/nein?

  • Ja: Frühzugang zu den DESP-/Rulebook-Realitäten, Mitgestaltung der UX-, Fraud- und Offline-Prozesse, beschleunigte Zertifizierung sowie Investitionen in Integration, Testing und Support.
  • Nein: Es gibt keine Pilotlast, aber ein höheres Integrations-/Time-to-Market-Risiko für 2027/28 sowie weniger Einfluss auf die Gebührenkappung/Prozesse. Die Regulierung kommt unabhängig davon.

2. Build vs. Buy vs. Hybrid für App/SDK, Alias, Fraud Services

  • DESP liefert zentrale Bausteine. Frontend/Customer Journeys und Fraud-Intelligenz können marktdifferenzierend sein – aber nur, wenn bis 2026 die Architektur und die Sourcing-Entscheide getroffen werden. Gebühren /Kompensationslogik: Wie verdienen Banken Geld – unter Caps?
  • Der Entwurf sieht eine Kompensation für PSPs sowie eine Deckelung in Richtung der Händler vor. Wer jetzt Modellvarianten kalkuliert und Mehrwertdienste konzipiert (zum Beispiel Identitäts-, Treue- und Datenservices), kann den Margendruck reduzieren.

Was bedeutet Mitmachen vs. Nicht Mitmachen (2026–2029)?

Agenda 2026 nach Rolle: Was gehört jetzt auf den Tisch?

Vorstand und Geschäftsleitung (Bank/PSP)
  • 1. Pilot Go/No-Go und Scope (März–Mai): Teilnahmeentscheidung, Rollenwahl (Distributing/Acquiring oder beides) sowie eine budgetierte Roadmap bis H2 2027.
  • 2. Operating Model: Einheit „Digital Euro“ (PMO, Compliance, Technik, Produkt, Risiko) mit Mandat für DESP-Integration, Backend-Zertifizierung und Support-Prozesse.
  • 3. Erlösmodell unter Caps: Szenarienkalkulation Issuer/Acquirer; „Digital Euro as a Service“ für Drittinstitute/Händler prüfen.
Leitende Person des Zahlungsverkehrs / CIO / CTO
  • 1. Architekturentscheid (Q2): Build/Buy/Hybrid für App/SDK, Alias, Risk/Fraud; Definition der Schnittstellen zur DESP.
  • 2. Offline-Readiness: Gerätezertifikate, lokales Settlement, Re-Sync-Prozesse, Testautomatisierung, Fraud-Modelle für Offline-Flows.
  • 3. Zertifizierung und Test: Backend-Zertifizierungspfad, Usertests für die vier Pilot-Use-Cases (Alias, SoftPOS, E-/M-Commerce, P2P-NFC).
Produktverantwortliche Person/ Vertrieb
  • 1. Journeys und UX: Entwicklung reibungsarmer Flows (etwa Tap to Phone, Alias Pay) mit klarer Nutzenkommunikation (Datenschutz, Resilienz, „immer akzeptiert“).
  • 2. Merchant Value Proposition: Kosten/Nutzen unter Gebührenkappung; POS- und Checkout-Enablement planen (SoftPOS, Gateway-Updates).
  • 3. Segment Go-Lives: Mitarbeitende/Händler im Piloten gezielt auswählen (Use-Case-Fit, Supportfähigkeit, Feedbackqualität).

Digitalisierung im Finanzwesen

Kreative Dienstleistungen und maßgeschneiderte Lösungen für zukunftsfähige Geschäftsmodelle

Als kreativer und verlässlicher Dienstleister für Banken übernehmen wir Verantwortung und stehen euch als Partner zur Seite. Unsere Lösungen sind Kombinationen aus Technologie, Fachlichkeit und Methodik, die individuelle Kundenerlebnisse kreieren. Wir verstehen uns als End-to-End-Dienstleister für zukunftsfähige Geschäftsmodelle, liefern maßgeschneiderte Lösungen und integrieren leistungsstarke Standardsoftware.

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Technologie und Sicherheit: Was der Pilot belastbar klären soll

  • DESP und Interoperabilität: Eine einheitliche Infrastruktur (Tokenisierung, Alias, Settlement, App/SDK) bildet die Basis. Die PSPs liefern die Distribution und das User Experience. Es handelt sich um ein schemebasiertes Modell mit offenen Standards (unter anderem CPACE nah).
  • Datenschutzlogik: Onlinedatenminimierung (AML erforderlich), offline → cashähnliche Vertraulichkeit. Der Pilot liefert Praxisdaten zur Missbrauchsabwehr ohne zentrale Profilbildung.
  • Offline-Grenzen: Doppelspendenschutz, Zertifikats-/Geräte-Trust, Hop-Limitierungen und Re-Funding: Hoher Aufwand, aber entscheidend für Resilienz. Entsprechend wurde der Offline-Baustein schwergewichtig vergeben.

Regulatorischer Pfad und Gebühren: Was fix ist, was offen bleibt

  • Gesetz und Zeitplan: Der Verordnungsabschluss ist für 2026 anvisiert, die Piloten sollen ab 2027 starten und die mögliche Erstausgabe ist für 2029 geplant, abhängig vom Gesetzgebungsfortschritt.
  • Gebühren/Kompensation: Caps zugunsten der Händler, angemessene Kompensation für PSPs; die Marktpositionen divergieren (der Handel fordert sehr niedrige Caps, die Acquirer warnen vor Unterkompensation). Pilotdaten sind für die Kalibrierung zentral.

Für Händler- und Akzeptanznetze: Warum sich die frühe Teilnahme lohnt

  • Akzeptanz als „Common Layer“: Mit DESP entsteht eine europaweite Akzeptanzschicht, die nationale Insellösungen überwindet. Zu den ersten produktiven Journeys gehören SoftPOS und e/m-Commerce-Flows.
  • Kosten und Transparenz: Caps können die Zahlungsakzeptanz planbarer machen, aber nur, wenn die POS-/Gateway-Roadmap 2026 startet und das Fee-Reporting vorbereitet wird.
Risiken und Gegenmaßnahmen (kurz und praxisnah)
  • Integrationsverzug: Gegenmaßnahme ist der 90-Tage-Plan „Goldener Pfad“ je Use Case mit frühen Testdaten. Die Teilnahme am Piloten dient als „Risikoversicherung“.
  • Offline-Betrugsrisiken: Device-Trust-Framework, Limitlogik für Offline-Beträge/Hops, Hybrid Detection (on- und off-device).
  • Margendruck: Gegenmaßnahme sind Gebühren-Szenarien, Mehrwertdienste und Bündel mit Identitäts-/Treue-Funktionalitäten.

Gesellschaftliche Dimension: Nutzerfokus, Akzeptanztreiber, Mythbusting

Nutzerforschung und Inklusion:

Die EZB adressiert die Bedürfnisse verschiedener Gruppen (Kleinhändler, besonders schutzbedürftige Nutzer) und testet klare, reibungsarme Journeys (Alias, Tap to Phone, eCom). Der Pilot wird realitätsnah (Alltagskäufe bei 15–25 Händlern, echte Transaktionen), aber kontrolliert (geschlossener Nutzerkreis) angelegt.

Einordnung verbreiteter Missverständnisse:

„Der digitale Euro schafft Bargeld ab.“ – Falsch. Bargeld bleibt ein gesetzliches Zahlungsmittel und wird durch den digitalen Euro ergänzt. Die EZB und die Bundesinstitutionen betonen die Koexistenz und haben entsprechende Rechtsakte zum Schutz von Bargeld verabschiedet.

  • „Die EZB sieht jede Zahlung.“ Falsch. Offline: Cash-ähnliche Vertraulichkeit (nur Zahler/Empfänger). Online: strikte Datenminimierung; Intermediäre sehen nur die für die Geldwäschebekämpfung erforderlichen Daten, nicht die EZB.
  • „Programmierte Zwangszahlungen/Ausschlüsse.“ Falsch. Die EZB schließt „Programmability” im Sinne von Nutzungsauflagen für das Basisgeld aus. Mehrwertdienste (etwa konditionale Zahlungen) liegen bei den Marktteilnehmern – freiwillig und reguliert.
  • „Start in Kürze; 2026 zahlen wir schon damit.“ Unwahrscheinlich. Realistischer Pfad: Rechtsrahmen 2026, Piloten ab 2027, potenzielle Ausgabe 2029.

Fazit: 2026 entscheidet über Einfluss und Geschwindigkeit – 2027 liefert Evidenz

Wer sich 2026 entscheidet, investiert und integriert, bestimmt 2027/28 den Nutzwert, die Kosten und die Geschwindigkeit des eigenen Digital-Euro-Angebots – statt 2029 reaktiv zu sein. Die Teilnahme am Pilotprojekt ist kein Selbstzweck, sondern eine Versicherung gegen Integrations- und Reputationsrisiken mit echtem Einfluss auf den Feinschliff des Regelwerks, die Gebührenkalibrierung und die UX-Standards.


Wir unterstützen euch!

Der digitale Euro ist kein isoliertes IT-Projekt, sondern ein Zusammenspiel aus Regulierung, Zahlungsverkehrsarchitektur, Produktdesign und Betriebsmodellen. adesso begleitet Banken und Zahlungsdienstleister entlang des gesamten Entscheidungs- und Umsetzungsprozesses – von der strategischen Einordnung bis zur technischen Pilotfähigkeit.

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Bild Alexej Schwed

Autor Alexej Schwed

Alexej Schwed ist als Lead Payments Strategy & Innovation bei der KIWI Consulting EDV-Beratung GmbH, einer Tochtergesellschaft von adesso, tätig und verfügt über langjährige Erfahrung an der Schnittstelle von Finanzdienstleistungen, Digitalisierung und technologischer Innovation. Seit über zehn Jahren begleitet er Banken, Zahlungsdienstleister und FinTechs bei der Transformation ihrer Geschäfts- und Prozesslandschaften mit besonderem Fokus auf digitale Zahlungsprozesse, moderne Zahlungsmethoden und Kundenbindungslösungen.


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