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„Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.“ So machte unsere ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits 2016 auf die Bedeutung von Daten aufmerksam. Täglich fallen in Unternehmen Daten von rund 2,5*1018 Bytes (2,5 Billionen Bytes) an, was einer Speicherkapazität von 36 Millionen iPads entspricht. 73 Prozent der anfallenden Daten werden jedoch nicht genutzt. Vor allem die Energiebranche ist aufgrund ihrer früheren Anbindung an die öffentliche Hand sehr konservativ und im Vergleich zu anderen Branchen rückständig, was Daten und deren Nutzung angeht. Zu diesen Ergebnissen kommt die biMA-Studie 2017/18 von BARC und Sopra Steria.

Nach der aktuellen Stadtwerkstudie von EY und dem BDEW aus dem Jahr 2022 sind sich die Stadtwerke dem Trend der Digitalisierung im Energiebereich bewusst und sehen es als eins der wichtigsten Themen an. Ob Datenplattformen, wertbasierte Instandhaltung (Value Based Maintenance) oder Predictive Analytics - die Entwicklungsmöglichkeiten zur Digitalisierung der Energiewirtschaft sind vielfältig.

Um herauszufinden, wie weit ein Unternehmen in Sachen Digitalisierung und Datennutzung ist, werden Business-Intelligence-Reifegradmodelle angewendet.

Business Intelligence: Einsteiger oder Profi? Wie Reifegradmodelle bei der Einordnung helfen

Business-Intelligence (BI) ist ein Prozess, der die Sammlung, Integration, Analyse und Präsentation von Unternehmensdaten nutzt, um Führungskräfte und Entscheidungsträgerinnen und -träger dabei zu unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen und die Unternehmensleistung zu verbessern. In der Energiewirtschaft kann BI beispielsweise zur Analyse der Auslastung von Kraftwerken oder zur vorausschauenden Planung von Wartungsarbeiten (Value Based Maintenance) eingesetzt werden. Mit Hilfe von BI-Tools kann die Leistung von Kraftwerken überwacht, die Energieerzeugung und -nachfrage mit historischen Daten und Prognosen verglichen und die Effizienz einzelner Turbinen verbessert werden.

Ebenso kann ein Energieversorger BI einsetzen, um die Verbrauchsdaten seiner Kundinnen und Kunden zu analysieren, um Verbrauchsmuster zu identifizieren, die Nachfrage nach Energie zu prognostizieren und gezielte Angebote an Kunden zu machen.

BI-Reifegradmodelle sind ein Rahmenwerk, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre aktuellen BI-Fähigkeiten zu analysieren, zu bewerten und zu verbessern. Diese Fähigkeiten können unterschiedlich ausgeprägt sein, weshalb fünf Reifegradstufen unterschieden werden:

  • 1. Entstehend
  • 2. Früh
  • 3. Etabliert
  • 4. Reif
  • 5. Vorgedrungen/Visionär

Die Einstufung erfolgt derzeit durch die Beantwortung eines umfangreichen Fragenkatalogs. Die Fragen decken verschiedene Bereiche eines Unternehmens ab. Sie reichen von allgemeinen Fragen zum Unternehmen bis hin zu detaillierten Fragen in den Bereichen Organisation, Ressourcen, Dateninfrastruktur, Analyse und Management.

Die Anwendung von BI-Reifegradmodellen in Form eines Fragebogens hat einige Nachteile. Ein Fragebogen kann nicht alle relevanten Aspekte der BI-Implementierung abdecken, was die Genauigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen kann. Darüber hinaus liefert der Fragebogen nur oberflächliche Informationen und bietet nicht die notwendige Analysetiefe, um die BI-Fähigkeiten des Unternehmens vollständig zu bewerten. Ebenso werden die spezifischen Anforderungen und Gegebenheiten eines Unternehmens nicht berücksichtigt, was die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigen kann.

Der Interaction Room: Eine interaktive Alternative zur Anwendung von BI-Reifegradmodellen

Alternativ können BI-Reifegradmodelle mit Hilfe des Interaction Rooms (IR) angewendet werden. Der IR ist eine toolgestützte Methode, die die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Kommunikation in IT-Projekten erleichtert, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Das Konzept beruht auf fünf Elementen:

  • 1. Cross-funktionale Stakeholder kommen in moderierten Workshops zusammen.
  • 2. Die Kommunikation wird durch Skizzen auf Landkarten aus verschiedenen Blickwinkeln gesteuert.
  • 3. Annotationen markieren erfolgskritische Aspekte, die dokumentiert und bewertet werden.
  • 4. Auf Basis der gesammelten Daten werden Projektrisiken identifiziert.
  • 5. Die Ergebnisse des Workshops werden nach dem Prinzip des Most Valuable Product (MVP) für die agile Umsetzung aufbereitet.

Dies hat den Vorteil, dass tiefere Analysen und die Berücksichtigung des Kontextes möglich sind. Darüber hinaus ermöglicht der IR, Teams zusammenzubringen und interaktiv Meinungen und Erfahrungen auszutauschen. Dies kann zu einer gemeinsamen Sichtweise und besseren Entscheidungen führen. Die Mitarbeitenden werden aktiv in den Prozess eingebunden und die Eigenverantwortung wird gefördert, was zu besseren Ergebnissen und höherer Akzeptanz führen kann.

Der IR bildet die Basis zur erfolgreichen Verbesserung von BI im ganzheitlichen Beratungsprozess

Der IR kann in einem ganzheitlichen Beratungsprozess integriert werden. Dieser lässt sich in vier Phasen unterteilen:

1. Initialisierung

Die Phase der Initialisierung ist neben dem allgemeinen Projektstart als Vorbereitung des IR zu verstehen. Die Definition der Ausgangslage ist der erste Schritt zur Entwicklung einer erfolgreichen BI-Lösung. Sie ermöglicht es, die Ziele und Projektmotivation eines Unternehmens zu ermitteln. Um die Anforderungen aller Stakeholder zu verstehen und sicherzustellen, muss eine gründliche Stakeholder-Analyse durchgeführt werden. Mit all diesen Informationen kann ein Projektplan erstellt werden, der die Grundlage für den zweiten Schritt bildet.

2. Anforderungsanalyse

Basierend auf dem Projektplan und der Stakeholder-Analyse wird ein IR mit den wichtigsten Stakeholdern durchgeführt. Dies ermöglicht es, den aktuellen BI-Reifegrad des Unternehmens zu verstehen und die Bereiche zu identifizieren, in denen Verbesserungen erforderlich sind. Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der Analyse umgesetzt werden können, ist es wichtig, die Ergebnisse für die nächste Phase klar zu definieren und zu strukturieren.

3. Handlungsempfehlungen

Nachdem die Ist-Situation mit Hilfe des IR analysiert und die Handlungsfelder identifiziert wurden, ist der nächste Schritt die Erstellung eines Strategiepapiers und einer Roadmap zur Verbesserung der BI-Fähigkeiten des Unternehmens. Diese Dokumente sollten klare Ziele und Schritte definieren, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen und die BI-Reife des Unternehmens zu erhöhen. Um sicherzustellen, dass das Projekt auf Kurs bleibt, sollten Meilensteine eingebaut werden, die es ermöglichen, den Fortschritt zu verfolgen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

4. Umsetzung

Nachdem die Strategie und die Roadmap auf Basis des IR entwickelt wurden, ist der nächste Schritt die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen. Dies kann die Einführung neuer Tools, Prozesse und Richtlinien beinhalten, um die BI-Fähigkeiten der Organisation zu verbessern. Es ist wichtig, die Ergebnisse der Umsetzung transparent darzustellen, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten den Fortschritt verstehen und die erfolgreiche Umsetzung der Empfehlungen bestätigen können.

Ein ganzheitlicher Beratungsprozess von der Projektinitialisierung bis zur Umsetzung ermöglicht es dem Unternehmen, das Problem oder die Herausforderung vollständig zu verstehen und die beste Lösung zu identifizieren. Durch die Analyse der Ist-Situation mit Hilfe des IR kann das Beraterteam frühzeitig den Business Need sowie die Motivation besser verstehen und darauf aufbauend die beste Lösung identifizieren. Zudem können die Erwartungen des Unternehmens besser erfüllt werden. Ein ganzheitlicher Beratungsprozess ermöglicht es dem Unternehmen, von der Erfahrung und dem Fachwissen des Beratungsteams zu profitieren und professionelle Unterstützung bei der Umsetzung der Lösung zu erhalten. Dies stärkt die Beziehung zwischen dem Unternehmen und dem Beratungsteam und fördert die Zusammenarbeit und das Vertrauen.

Fazit

Reifegradmodelle werden verwendet, um den aktuellen Stand eines Unternehmens in Bezug auf BI zu analysieren. Bisher erfolgt die Einstufung durch die Beantwortung eines umfangreichen Fragenkatalogs. Dies kann nicht alle relevanten Aspekte abdecken und die Ergebnisse beeinträchtigen. Als Alternative können BI-Reifegradmodelle mit Hilfe des IR durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine toolgestützte Methode, die tiefere Analysen ermöglicht und den Unternehmenskontext berücksichtigt. IR fördert die Interaktion und Beteiligung verschiedener relevanter Stakeholdergruppen. Dies führt zu besseren Ergebnissen und erhöht die Akzeptanz bei den Mitarbeitern.

Der IR kann als integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Beratungsprozesses verstanden werden, der sich in vier aufeinander aufbauende Phasen gliedert: Initialisierung, Bedarfsanalyse, Handlungsempfehlung und Umsetzung.

Wir von adesso unterstützen unsere Kunden dabei, das Performance Monitoring im Kraftwerksbetrieb zu optimieren, indem wir Datensilos aufbrechen und Informationen aus verschiedenen Datenbereichen zentral auf einer sogenannten Data and Digital Platform (DDP) bereitstellen. Dazu erstellen wir dynamische und interaktive Dashboards. Dies unterstützt die Analyse von Betriebsparametern mit dem Ziel, die Entscheidungsfindung im Kraftwerksbetrieb zu verbessern, schneller auf Probleme zu reagieren und Berichte automatisch zu erstellen.

Dieser Artikel gibt einen kurzen Einblick in ein Projekt, bei dem wir eine zentrale Datenplattform mit Hilfe von Microsoft Azure aufgebaut haben. Wir arbeiten eng mit allen Beteiligten zusammen und sind überzeugt, dass dieses Projekt dazu beitragen wird, die BI-Fähigkeiten unserer Kunden zu verbessern und ihnen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

adesso verfügt über ausgebildete IR-Coaches und ein breites Know-how im Bereich Data & Analytics. Damit können wir einen kompletten kundenspezifischen Beratungsprozess vom Kickoff bis zur Umsetzung begleiten.

Weitere spannende Themen aus der adesso-Welt findet ihr in unseren bisher erschienenen Blog-Beiträgen.

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Bild Jonas Schnorrenberg

Autor Jonas Schnorrenberg

Jonas Schnorrenberg ist Maschinenbauingenieur und arbeitet bei adesso als Consultant im Bereich Utilities mit Fokus auf der Beratung von Unternehmen in der Energiewirtschaft. Sein Schwerpunkt lag in den vergangenen Jahren auf der Leitung von Projekten im Bereich der Energie- und Kraftwerkstechnik. Nach seinem abgeschlossenen Master in Maschinenbau bildet er sich nun nebenberuflich im Rahmen eines Masters in Business Administration weiter.

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Autor Stephen Lorenzen

Stephen Lorenzen ist Managing Consultant und seit knapp 3 Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Er versteht sich als ein pragmatischer und interdisziplinär aufgestellter Allround-Berater mit mehrjähriger Berufserfahrung im Innovationsmanagement, Requirements Engineering und klassischen sowie agilen Projektmanagement.

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Autor Maximilian Hammes

Maximilian Hammes ist Consultant im Bereich Utilities mit Fokus auf Digitalisierungsprojekte in der Energiewirtschaft. Er ist ein erfahrener IT-Service-Manager der sich als interdisziplinarischer Allrounder mit dem Schwerpunkten Projektmanagement und Requirements Engineering versteht.

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