Interview

Wie KI die Arbeit und Wertschöpfung in Banken verändert

Ein fachlicher Austausch auf Augenhöhe

von Nehir Safak-Turhan

Megatrends bzw. Basisinnovationen haben das Potenzial, langfristige und strukturelle Veränderungen in allen Lebensbereichen auszulösen. Das gilt auch für KI. Was mit Automation, Chatbots, ChatGPT seinen Anfang genommen hat, wird mit stetig neuen Anwendungsfällen weitergeführt – mit spürbaren Folgen für die Art und Weise, wie Banken in Zukunft ihre Wertschöpfung gestalten.

Für Banken ergeben sich durch KI vielfältige Chancen von Kostenreduktion und Effizienz über bessere Kundenerlebnisse bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Mit dem zunehmenden Einzug von KI in die Unternehmenswelt steht die Branche vor einer großen Transformationswelle, die auch die Zukunft der Arbeit grundlegend verändern wird. Dabei ist diese Transformation alles andere als geradlinig, denn mit den Chancen kommen auch Herausforderungen: Einerseits treibt KI Effizienz und Automatisierung durch Arbeitsteilung und optimierte Ressourcenallokation voran, fördert die Entwicklung neuer Vertriebspotenziale, die langfristig die Bankwertschöpfung beeinflussen. Andererseits löst sie Kräfte der „kreativen Zerstörung“ à la Schumpeter aus und stellt das Bestehende und Bewährte auf den Kopf. Für Banken und Finanzinstitute impliziert dieser Wandel höchste Ansprüche an die Mitarbeitenden und Organisationen, um die Chancen der KI optimal zu nutzen und den Wandel aktiv zu gestalten.

In diesem Interview gibt uns Marcel Pochert, Head of Digital Innovation & Cloud Enablement bei Berenberg, seine Einschätzung, wie KI die Art und Weise der Zusammenarbeit im Banking verändert, wie sie die Wertschöpfung von Banken langfristig beeinflussen kann und wo es einen Kulturwandel gibt.


Marcel Pochert…

... ist ein im Finanz- und Technologiesektor tätiger Digital- und Transformationsexperte mit Schwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz, Cloud Enablement, und Plattformstrategien. Er verantwortet als Head of Digital Innovation & Cloud Enablement bei der Privatbank Berenberg zentrale Initiativen zur digitalen Transformation und technologischen Weiterentwicklung des Unternehmens.

Sein fachlicher Fokus liegt auf der Transformation mithilfe von KI, der Entwicklung skalierbarer Plattformlösungen, der Verbesserung der Developer Experience sowie der Beschleunigung von Innovationsprozessen in regulierten Umfeldern. Neben seiner operativen Tätigkeit tritt er regelmäßig als Speaker auf Konferenzen auf und teilt seine Expertise zu Themen wie digitale Transformation, AI und moderne Softwarearchitekturen.


Nehir: KI ist gekommen, um zu bleiben. Dass es sich dabei um keinen kurzfristigen Hype handelt, sondern unsere Leistungserstellung und Wertschöpfung auch im Banking grundlegend ändern wird, ist uns allen bewusst. Was ist Deine persönliche Einschätzung – welche Potenziale sind bereits heute mit dem Einsatz von KI in der Bankenwelt möglich und welchen Einfluss wird KI auf die Wertschöpfung der Banken langfristig haben?

Marcel: Für mich ist KI kein vorübergehender Trend, sondern ein fundamentaler Treiber für die Transformation des Bankings. Ich sehe das Potenzial dabei auf zwei Ebenen: dem, was wir heute schon konkret umsetzen können, und dem, was langfristig unsere gesamte Wertschöpfung und Arbeitsweise neu definieren wird.

Nehir: Wo siehst Du aktuell die greifbarsten Effekte?

Marcel:

Schon heute ermöglicht KI enorme Effizienzgewinne und das ist keine Theorie. Wir haben im letzten Jahr hier in der Bank bereits signifikante Effizienzgewinne nachweisen können. Durch Automatisierungen ermöglicht man Experten Freiräume, um sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: den Fokus auf komplexe Themen mit wirklichem Impact. Gleichzeitig liefert KI tiefere, datenbasierte Einblicke, um strategische Entscheidungen auf einer solideren Grundlage zu treffen.

Ich sehe eine Stärke bei Unternehmen mit einer starken eigenen IT. Denn für diese ist dieser Wandel eine riesige Chance. Die größten Veränderungen erwarte ich direkt in den technologie-nahen Rollen:

  • In der Software-Entwicklung ist KI bereits zum unverzichtbaren Co-Piloten geworden, der Code vorschlägt, testet und die Entwicklungszyklen massiv beschleunigt. Wir beobachten hier sehr genau, wie sich die Technologie weiterentwickelt, um unsere Prozesse stetig zu optimieren.
  • Business Analysten werden KI nutzen, um Prozesse nicht nur zu dokumentieren, sondern tiefgreifend zu analysieren und Potenziale aufzudecken.
  • Und im Projektmanagement werden uns KI-gestützte Tools bei der Planung und Risiko-Analyse unterstützen.

Kurz gesagt: KI definiert die Art, wie wir arbeiten, und als technologie-affine Bank sind wir in der exzellenten Ausgangslage, diesen Wandel aktiv zu gestalten.

Nehir: KI hat nicht nur eine technologische Dimension, sondern stößt auch einen spürbaren Kulturwandel an. Was hat sich mit dem zunehmenden Einzug von KI in die Arbeitswelt verändert?

Marcel: Der technologische Fortschritt ist nur ein Teil der Entwicklung. Mindestens ebenso relevant ist der kulturelle Wandel, der mit der Einführung von KI einhergeht. Die Geschwindigkeit und generationenübergreifende Verbreitung zeigen, wie grundlegend sich unser Umgang mit digitalen Werkzeugen verändert hat – und das wirkt sich direkt auf Zusammenarbeit und Arbeitsweise aus.

Nehir: Wo siehst Du die wichtigsten Veränderungen?

Marcel:

Ich würde drei zentrale Punkte hervorheben.

Erstens: Es entsteht eine neue Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine. Wir erleben ein neues Teaming, bei dem es darum geht, KI gezielt zu steuern und sinnvoll einzusetzen. Das demokratisiert Fähigkeiten, baut Silos ab und fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Zweitens: Arbeitsgeschwindigkeit und Erwartungshaltung haben sich deutlich erhöht. Ideen lassen sich schneller validieren und weiterentwickeln. Analyse- und Rechercheprozesse werden effizienter, umfangreiche Inhalte stärker strukturiert. Dadurch verschiebt sich der Fokus: weg von operativen und repetitiven Aufgaben hin zu Bewertung, Kontextualisierung und strategischer Entscheidungsfindung.

Nehir: Und der dritte Punkt?

Marcel:

KI fördert eine Kultur der Neugier und des Experimentierens. Die Fähigkeit, KI präzise anzuleiten, also gutes Prompting, wird zur Schlüsselkompetenz.

Zusammengefasst würde ich sagen: KI verändert nicht nur, was wir arbeiten, sondern vor allem, wie. Sie macht uns schneller, interdisziplinärer und zwingt uns, den Fokus auf das zu legen, was uns als Menschen ausmacht: unsere Kreativität und unser Urteilsvermögen.


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