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Die digitale Transformation gilt als die bedeutendste Entwicklung des 21. Jahrhunderts. Sie beeinflusst unser tägliches Privat- und Arbeitsleben. Aber nicht nur für IT-Abteilungen, auch für Fach- und Querschnittsbereiche eines Unternehmens wird in den nächsten Jahren ein Umdenken nötig sein. Durch neue Geschäftsfelder wie Business Analytics und einen Wegfall „alter Tätigkeiten“ – etwa aufgrund der Automatisierung durch Robotics, stehen Controller vor einer Neuausrichtung ihres Arbeitsumfelds.

Schon heute werden Ergebnisse automatisch zur Verfügung gestellt

Controller müssen im Zuge der digitalen Transformation erkennen, wie sie ihre Fähigkeiten ausbauen können, um den nächsten Schritt in der Evolution ihres Tätigkeitsfelds zu gehen. Schließlich schlummert in den operativen Tätigkeiten im Controlling ein sehr hohes Automatisierungspotenzial. Schon heute werden beispielsweise in digital ausgerichteten Unternehmen die vergangenheitsorientierten Daten durch automatisierte Prozesse dem Management zur Verfügung gestellt. Der Trend zur Abgrenzung von generellen Tätigkeiten - somit auch im Controlling - entwickelt sich weg von einer Abgrenzung nach Fristigkeit und hin zu einer thematischen Abgrenzung, wie sie die digitale Transformation unweigerlich mit sich bringt.

Strukturiert Erfolg sichern - unstrukturiert Vorteile erarbeiten

Ihr kennt es sicherlich: Aktuell werden von Controllern innerhalb eines Unternehmens hauptsächlich transaktionsverarbeitende Quellsysteme - beispielsweise Enterprise Resource Planning (ERP) oder Customer Relationship Management (CRM) - verwendet. Diese klassischen Systeme bieten dem Informationsempfänger strukturierte Bestandsdaten zur Analyse. Heute werden diese Daten mittels ETL-Tools (Extraction Transformation Loading) aus den Quellsystemen in Data Warehouses geladen und den Controllern durch Business-Intelligence-Tools für die Analyse zur Verfügung gestellt. Die darauf basierenden Analysen sind aber eher dem Descriptive-Analytics-Bereich zuzuordnen und befassen sich - als klassischer Ansatz der Business Intelligence - mit der vergangenheitsbezogenen Auswertung von Daten.

Ein primärer Fokus der digitalen Transformation liegt auf der Anbindung und Zurverfügungstellung von neuen Quellsystemen, die neben strukturierten Daten auch unstrukturierte Daten enthalten können. Der „Controller von morgen“ erhält - etwa durch das Internet of Things (IoT) - Zugang zu einer Vielzahl von neuen Informationen. Diese neuen Datenquellen können beispielsweise Radio-Frequenz-Identifikation (RFID), Log-Daten von Kunden-Smartphones, Nutzeraktivitäten im Social Web oder Kundenaktivitäten an allen Customer Touchpoints beinhalten. Die kombinierte Nutzung von strukturierten und unstrukturierten Daten wird also das zukünftige Planen und Controllen von Unternehmen verändern.

Gute Reportings werden für den entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf engen globalisierten Märkten sorgen. Die disruptiven Eigenschaften der digitalen Transformation und die damit verbundenen Veränderungen des Tool-Sets im Controlling bedeuten aber auch, dass Controller selbst ihre Rolle im System neu definieren müssen. Neben den Chancen, die moderne IT-Architekturen und Reporting-Tools liefern, bringt die digitale Transformation auch einige Herausforderungen mit sich, die sich am treffendsten mit dem Akronym „VUKA“ zusammenfassen lassen. VUKA steht für Volatilität (V), Unsicherheit (U), Komplexität (K) und Ambiguität (A) – also Mehrdeutigkeit. Mit der VUKA-Theorie werden die Einflüsse von Veränderungen beschrieben, die neben der Rolle des Controllers auch ganze Geschäftsmodelle und Märkte im Rahmen der digitalen Transformation grundlegend verändern werden. So wird es in Zukunft beispielweise möglich sein, bisher unbekannte Zusammenhänge von Ursache und Wirkung durch die Nutzung von statistischen Methoden aufzustellen. Solche Formen von Aufstellungen sowie die Interpretation der Ergebnisse gehen aber weit über das jetzige Verständnis der Controller-Rolle hinaus. Unternehmen sowie Controller müssen daher schon jetzt am Auf- und Ausbau dieser Kompetenzen arbeiten, um langfristig Erfolge zu sichern.

Das heutige Verständnis vom Controller-Funktionsprofil wird schon in wenigen Jahren ein überholtes Modell sein. Neben dem heute bereits geläufigen Business-Partner, der als eine Art interner Consultant zu verstehen ist, rücken die Funktionen „Data Scientist“, „Information Designer“ und „Change Agent“ in den Fokus.

Wie ihr wisst, erfordert die Rolle des Business-Partners vor allem Branchen- und Unternehmenskenntnisse. Zudem sollte ein interner Consultant mit dem Management auf Augenhöhe agieren. Wie erkennbar ist, wird es eine sehr starke Separation des traditionellen, zahlenbasierten Controllings geben:

Data Scientist

Der Data Scientist modelliert aus dem gesamten Big Data Pool mithilfe der Fragestellungen der Business Analytics eine geeignete Business-Intelligence-Architektur. Für ihn wird es wichtig sein, sich mit statistischen Auswertungsmethoden zu befassen.

Information Designer

Der Information Designer hat die größten Parallelen zum heutigen Verständnis der Controller-Rolle. Er kann nämlich als Bindeglied zwischen den Business-Partnern und den Data Scientists verstanden werden und bringt vor allem Know-how im Bereich der Datenvisualisierung mit. Neben diesen Kenntnissen muss ein Information Designer - bedingt durch den operativen Fokus - schnell erkennen, welche Daten benötigt werden und welche es sich lohnt auszuwerten.

Change Agent

Eine weitere und wahrscheinlich die wichtigste Rolle, die der Controller von morgen ausfüllen muss, ist die des Change Agents. Er leitet nämlich proaktiv die Veränderungsprozesse im Unternehmen. Daher muss der Change Agent stärker und auch noch früher in strategische Entscheidungen eingebunden werden als der Business-Partner. Da Veränderungsprozesse zukünftig vor allem agil und in funktionsübergreifenden Teams ablaufen werden, muss die Person in dieser Rolle über ein breites Netzwerk im Unternehmen sowie über Kenntnisse in der agilen Projektorganisation - beispielsweise Scrum – verfügen.

Controller verantworten die digitale Transformation

Zukünftig wird es möglich sein, komplexe Datenmengen zukunftsgerichtet zu analysieren und damit eine explorative Datenanalyse zu realisieren. In diesem Rahmen ergeben sich in einer volatilen Geschäftswelt vor allem Chancen für die Unternehmen, die die neue Rolle des Controllers nutzen. Auf diese Weise können nämlich neue Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz generiert werden. Da die digitale Transformation unweigerlich zu einer Disruption in der Organisation von Unternehmen führt, wird der Controller in diesem Kontext keinesfalls einen passiven Part einnehmen. Vielmehr ist er maßgeblich dafür verantwortlich, die digitale Transformation voranzutreiben.

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Autor: Pascal Haucap

Pascal Haucap ist Senior Consultant im Banking-Bereich bei adesso. Als studierter Wirtschaftswissenschaftler befasst er sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit den Bereichen Projektmanagement, Projektsecurity, Budget- und Portfoliomanagement sowie mit der Entwicklung digitaler Prozessabwicklung für BackOffice, Controlling und PMO im Bankensektor.

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