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Menschen von oben fotografiert, die an einem Tisch sitzen.

Das Usability Testing ist eine empfehlenswerte Methode, um die User Experience (UX) eines digitalen Produkts im Rahmen des Human Centered Design Prozesses zu überprüfen. Der Usability-Test bietet den Vorteil, schnell relevante Ergebnisse und Einblicke in einen spezifischen Anwendungsfall zu geben. Außerdem läuft der Test standardisiert ab, ist daher leicht zu verbreiten und in relativ kurzer Zeit durchzuführen. Dabei unterscheiden sich zwei grundlegende Methoden: Der Usability-Test über ein Online-Tool mit Probanden aus einem Panel, oder den moderierten Usability-Test (Face to Face). In diesem Blogbeitrag werdet ihr Antworten auf die folgenden Fragen finden: Wie gestalten sich diese beiden Usability-Test-Methoden? Und welche Variante eignet sich am besten für welchen Testgegenstand?

Grundlegende Fragen und Projektabschnitte der Methode Usability Testing

Die Fragen nach dem „Warum Usability-Tests?“ und „Wann ist ein guter Zeitpunkt für einen Usability-Test?“ habe ich schon in einem Blog-Beitrag beantwortet. Wenn Unternehmen mit adesso einen Usability-Test durchführen wollen, klären wir zunächst grundlegende Fragen und den Projektablauf.

3 Fragen, die ihr beantworten solltet, um euch dem Usability-Test zu nähern:

  • 1. Was will ich testen und mit welchem Ziel?
  • 2. Welche Zielgruppe will ich erreichen und ist somit für den Test relevant?
  • 3. Welche Methode ist die Richtige für diesen Zweck?

In unseren UX-Projekten hat sich in der Praxis folgende Vorgehensweise etabliert.

Einen Usability-Test durchführen – in 9 Schritten:

  • 1. Formulierung von Forschungsfragen (Use Cases)
  • 2. Bestimmung der Probanden/Zielgruppe
  • 3. Auswahl der Methode (Inspektion/Online-Tool/Face to Face: Interviewer, Moderator, Protokollant)
  • 4. Erstellung des Interviews / Test-Leitfadens / der Umfrage
  • 5. Pre-Test
  • 6. Rekrutierung von Probanden
  • 7. Durchführung des Tests
  • 8. Datenanalyse und Auswertung
  • 9. Aufbereitung der Ergebnisse (Präsentation/Video/Maßnahmenkatalog /etc.)

Wann immer möglich, ist die Nähe zum User entscheidend, um sein Verhalten zu verstehen und Maßnahmen abzuleiten. Bei der Auswahl der Methode gibt es dabei zwei grundlegend verschiedene Möglichkeiten:

  • Der Usability-Test über ein Online-Tool mit Probanden eines Panels
  • Der moderierte Usability-Test (Face to Face mit den Probanden)

Ich stelle euch die Methoden nun genauer vor.

Der Usability-Test über Online-Tool mit Probanden eines Panels

Was kann getestet werden?

Jedes digitale Produkt, wie zum Beispiel

  • Website/Webshop,
  • App,
  • Klickdummy (muss über Weblink aufrufbar sein)
Wie wird der Test durchgeführt?

Die Probanden werden über ein Online-Tool akquiriert. Im Rahmen eines definierten Testszenarios lösen sie Aufgaben anhand eines Testleitfadens. Die Probanden sollen ihre Gedanken und Entscheidungen, warum sie etwas wie tun, laut aussprechen. Jeder Test wird per Video aufgezeichnet und dann von UX-Expertinnen und -Experten (zum Beispiel dem UX-Team aus dem adesso Geschäftsbereich Digital Experience) ausgewertet.

Was sind die Voraussetzungen zum Testen?
  • Repräsentative Personen der Zielgruppe/Persona lassen sich über das Panel des Online-Tools rekrutieren. (Zur Info: Einige Software-Anbieter von Online-Tests bieten an, eigene Testpersonen zu akquirieren. Das erfordert dann mehr Recruiting-Aufwand, als sich dem Online-Panel zu bedienen.)
  • Erstellung eines Testgegenstands (damit ist der zu prüfende Use Case auf der Webseite gemeint), der als Aufgabe für die Probanden dient.
Wie viele Probanden benötige ich für aussagekräftige Testergebnisse?

Ca. 5 - 10 Probanden.

Für diese Methode ist das mehr als ausreichend, denn durch den direkten Kontakt mit dem Probanden, dem Video- und Tonmitschnitt sowie dem Protokoll lassen sich die größten Stolpersteine in der Usability erkennen. Je mehr Probanden, desto mehr Arbeit und Kosten entstehen, aber es werden nicht zwingend neue, gravierende Erkenntnisse gewonnen.

Wie lange dauert ein Test?

Die Dauer pro Proband variiert je nach Detailgrad des Testgegenstands, kann also in der Regel zwischen 10 - 60 Minuten dauern. Für einen Online-Test empfehlen wir allerdings maximal eine Dauer von 20 Minuten, weil dort die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne kürzer ist.

Der moderierte Usability-Test (Face to Face mit den Probanden)

Was kann getestet werden?

Auch hier können digitale Produkte getestet werden, wie zum Beispiel

  • Website/Webshop,
  • App,
  • Klickdummy (muss über Weblink aufrufbar sein),
  • aber auch Papier-Prototypen lassen sich testen
Wie wird der Test durchgeführt?

In der Regel moderieren zwei UX-Expertinnen und -Experten den Test und leiten Probanden durch die Aufgaben auf dem Testgegenstand. Dabei können sich alle Personen in einem Raum befinden (Face to Face). Die Probanden sollen ihre Gedanken und Entscheidungen, warum sie etwas wie tun, laut aussprechen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie lassen sich aber auch online Lösungen finden. Der Test kann per Video aufgezeichnet werden. Die UX-Experten (zum Beispiel von dem UX-Team aus dem adesso Geschäftsbereich Digital Experience) werten dann die Testergebnisse aus.

Es wird das Ziel verfolgt, kritische Probleme zu identifizieren, damit das Produkt verbessert werden kann (formative Evaluierung).

Was sind die Voraussetzungen zum Testen?
  • Recruiting repräsentativer Personen der Zielgruppe/Persona
  • Erstellung eines Testgegenstands (damit ist der zu prüfende Use Case auf der Webseite gemeint), der als Aufgabe für die Probanden dient.
Wie viele Probanden benötige ich für aussagekräftige Testergebnisse?

Ca. 5 - 10 Probanden. Die wissenschaftliche UX-Forschungsgruppe Nielsen Norman bestätigt, dass 5 Probanden eine ausreichende Anzahl für Usability-Tests sind, um gravierende Usability-Hürden zu identifizieren.

Wie lange dauert ein Test?

Die Dauer pro Proband variiert je nach Detailgrad des Testgegenstands, kann also in der Regel zwischen 10 - 60 Minuten dauern. Wir empfehlen, die Face-to-Face-Tests nicht länger als 60 Minuten abzuhalten, da die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmenden, Moderierenden und Probanden nach dieser Zeit nachlässt. Teilnehmende müssen berichten, was sie denken, und begründen, warum sie den nächsten Schritt vornehmen. Dafür ist eine hohe Konzentration notwendig. In Einzelfällen ist die maximale Obergrenze 90 Minuten.

Das haben beide Testmethoden gemeinsam

Beide Methoden eignen sich, um die Bedürfnisse der Zielgruppen zu erforschen und ihre Usability-Probleme anhand der vorgegebenen Aufgaben zu erfassen und auszuwerten (Usability-Ziele: Effektivität, Effizienz, Zufriedenstellung).

Das Ergebnis der Usability-Tests ist eine Bestandsaufnahme des digitalen Produkts oder des entwickelten Testgegenstands. Unsere UX-Teams von adesso erstellen einen detaillierten Bericht auf Basis der Testprotokolle mit Video. Er enthält eine Liste an Befunden, Schlussfolgerungen und Interpretationen. Anhand dieser können konkrete Maßnahmen und Verbesserungsvorschläge abgeleitet und die Usability langfristig verbessert werden. Durch regelmäßiges Testing habt ihr die Chance, euer digitales Produkt gezielt an die Bedürfnisse eurer User anzupassen. Übrigens: Im Bereich E-Commerce hat adesso auch eine Studie verfasst – „Was Online-Kunden wünschen. Soll und Ist der digitalen Kundenerfahrungen in Deutschland B2B & B2C.“

Fazit: Das sind die Unterschiede und Vorteile der jeweiligen Methoden

Das Online-Tool ermöglicht eine schnelle Umsetzung, wenn das Panel über die Zielgruppen verfügt, die ihr benötigt. Dann könnt ihr in wenigen Tagen oder gar Stunden Testergebnisse bekommen. Ihr bekommt Videoaufzeichnungen automatisch mitgeliefert. Anhand der Videoaufzeichnungen der Tests könnt ihr nachvollziehen, wie die Probanden vorgegangen sind. Ihr seid jedoch darauf angewiesen, dass euer Fragebogen kurz und prägnant genug ist, damit ihn die Probanden ohne eine moderierende Person verstehen und selbst durchtesten können.

Beim moderierten Usability-Test seid ihr Face-to-Face mit dem Probanden. Dadurch ist ein intensiver Austausch möglich. Ihr könnt auch mal nachfragen und dadurch noch ausführlichere Eindrücke vom Probanden vermittelt bekommen. Dadurch können die User-Erwartungen detaillierter skizziert werden. Falls eure Zielgruppe sehr spezifisch ist oder besonderes Vorwissen benötigt, könnt ihr diese selbst rekrutieren und die Umsetzung des Tests frei organisieren. Das macht mehr Aufwand, aber der lohnt sich bei spezifischen Voraussetzungen, um Streuverlust in den Testergebnissen zu vermeiden.

Usability Testing ist ein sinnvolles Instrument, mit dem ihr User besser verstehen und kennenlernen könnt. Mit Usability Testing, egal ob über ein Online-Tool oder moderiert durch UX-Experten, habt ihr die Möglichkeit, eure Webseite, Online-Shop oder Online-Plattform dahingehend zu verbessern, dass sie zu euren Usern passt. Das Testing könnt ihr dabei flexibel zu fast jeder Projektphase angehen.

Braucht ihr Hilfe beim Testing eures digitalen Produkts oder Prototypen? Sprecht unser UX-Team an, wir eruieren die beste Methode für euer Ziel.

Die Blog-Serie im Überblick

Bild Lisa Lietz

Autorin Lisa Lietz

Lisa Lietz ist Principal Project Manager im UX-Team des Geschäftsbereiches Digital Experiences und Expertin für agile Softwareentwicklung und Requirements Engineering. Bei adesso berät sie ihre Kunden auch zu Usability-Methoden und wann sie im Entwicklungsprojekt am besten zum Einsatz kommen.

Kategorie:

Methodik

Schlagwörter:

UX

UX Design

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