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Seit dem 28. Mai 2026 ist EUDAMED für die ersten vier Module verpflichtend. Viele MedTech-Hersteller haben die Registrierung inzwischen als operatives Problem erkannt: Die Daten liegen verstreut, die Meldepflichten kehren wieder, und die Teams in Regulatory Affairs und Qualitätsmanagement kommen an ihre Grenzen. Die eigentliche Entscheidung ist aber noch nicht getroffen. Sie lautet nicht, ob EUDAMED bedient wird, sondern wie: einmal mühsam von Hand oder als skalierbarer Prozess, der mitwächst. Dieser Beitrag zeigt, warum sich diese Weichenstellung jetzt lohnt.

Verpflichtend sind seit Mai 2026 vier Module: die Registrierung der Wirtschaftsakteure, die Produkt- und UDI-Registrierung, die Zertifikate und die Marktüberwachung. Zwei weitere, Vigilanz und klinische Prüfungen, folgen. Für Hersteller heißt das: Der Aufwand verteilt sich über mehrere Module, kehrt regelmäßig wieder und steigt mit jedem neuen Produkt. Bestandsprodukte müssen bis zum 28. November 2026 nachgezogen werden.


EUDAMED in der Praxis: Warum manuelle Prozesse an ihre Grenzen stoßen

Die Realität in vielen Unternehmen sieht ähnlich aus. Produktdaten liegen in Excel-Listen, ERP-Modulen und Altsystemen nebeneinander. Für die EUDAMED-Registrierung werden sie von Hand zusammengesucht, aufbereitet und ins Portal getippt. Das funktioniert, solange das Portfolio klein und stabil ist.

Mit jedem neuen Produkt und jedem weiteren Modul kippt diese Rechnung. Der erste Upload eines mittleren Portfolios kann manuell Wochen dauern. Ein einziges falsch zugeordnetes Attribut führt zur Abweisung. Und die Meldepflichten hören nie auf: Stammdaten ändern sich, Zertifikate laufen aus, Vorkommnisse müssen fristgerecht gemeldet werden. Manuelle Bearbeitung erzeugt versteckte Kosten, bindet qualifizierte Fachleute und wird mit wachsendem Sortiment zum Risiko. Genau hier stoßen isolierte Punktlösungen an ihre Grenzen.


Von der Pflicht zum Asset: Das Umdenken in der Regulatory-Strategie

Der entscheidende Schritt ist ein Perspektivwechsel. EUDAMED-Compliance ist kein einmaliger Kraftakt vor der Deadline, sondern ein dauerhafter Prozess, der mit dem Portfolio mitwächst. Wer ihn so behandelt, kann ihn auch so bauen: einmal als saubere, wiederverwendbare Architektur statt als Insellösung für den nächsten Stichtag.

Der Unterschied ist strategisch. Eine Punktlösung löst ein Modul für heute. Eine skalierbare EUDAMED-Architektur trägt alle Module, wächst mit neuen Produkten und bindet später hinzukommende Anforderungen ohne Neuaufbau an. Aus einer lästigen Pflicht wird so ein Compliance-Asset: einmal aufgebaut, dauerhaft nutzbar. Davon profitieren Hersteller jeder Größe, vom kleinen Unternehmen mit wenigen Produkten bis hin zum Konzern mit Tausenden Artikeln.


Automatisierung und Integration: Technische Hebel für skalierbare Compliance

Der Hebel liegt in der Integration. Statt Daten von Hand ins Portal zu übertragen, verbindet eine Maschine-zu-Maschine-Schnittstelle (M2M) die bestehende IT direkt mit EUDAMED. Produktdaten kommen dann aus dem ERP-, MDM- oder PLM-System, werden vor der Übertragung automatisch geprüft und reproduzierbar gemeldet. So lässt sich der manuelle Aufwand strukturell reduzieren.

Der Gewinn zeigt sich in jedem Modul. Beim UDI-Modul läuft der Upload eines großen Portfolios statt in Wochen in Stunden. Bei den Stammdaten entfällt der ständige Abgleich zwischen Portal und internem System. Bei den Zertifikaten meldet das Qualitäts-management automatisch, wenn eine Freigabe ausläuft. Und bei den Vigilanz-Meldepflichten sichert ein Wiederhol-Mechanismus die gesetzlichen Fristen ab, auch wenn eine Übertragung technisch scheitert. Auch Benannte Stellen profitieren: Der Batch-Upload ihrer Zertifikate ist bei Hunderten Kunden von Hand kaum zu leisten.

Wichtig ist, dass diese Lösung mehrere Rollen zusammenbringt. Regulatory Affairs und Qualitätsmanagement gewinnen Verlässlichkeit und Zeit für die eigentliche Bewertung. IT- und SAP-Verantwortliche werden zu internen Champions, weil die Anbindung in die vorhandene Systemlandschaft passt, statt einen weiteren Datensilo zu schaffen. So wird aus regulatorischer Pflicht ein Stück gelebte Regulatory-Affairs-Digitalisierung.


Langfristige Partnerschaft statt Einmalprojekt

Eine skalierbare Lösung braucht einen Partner, der den Prozess über die Deadline hinausbegleitet. Denn die Anforderungen entwickeln sich weiter. Weitere Module gehen live, das Portfolio wächst, und wer international liefert, trifft auf neue Datenbanken. Die Schweiz etwa baut mit Swissdamed ihre eigene Datenbank auf: Seit dem 1. Juli 2026 ist die Registrierung dort verpflichtend, seit Ende März 2026 ist ebenfalls eine M2M-Anbindung möglich. Dieselbe Architektur lässt sich für beide Märkte nutzen.

adesso begleitet MedTech-Hersteller und Benannte Stellen genau auf diesem Weg: von der Standortbestimmung über die Methodenwahl bis zur Umsetzung der Schnittstellen, tool-agnostisch und in die vorhandene IT integriert. So bleibt die Lösung auch dann tragfähig, wenn neue Module live gehen oder das Portfolio wächst. Compliance-sicherer Marktzugang, Automatisierung und ein verlässlicher, skalierbarer Prozess sind so kein Widerspruch, sondern das Ziel einer modernen Regulatory-Strategie.


Weitere Informationen finden Sie hier.

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Autorin Benita Wolter

Benita Wolter arbeitet als Senior Consultant im Life Science Bereich bei adesso. Ihr Fokus liegt auf der Managementberatung und digitalen Transformation von Medizintechnikunternehmen im Bereich Post-Market Surveillance (PMS). Sie verfügt über umfassende Expertise in der Usability nach IEC 62366-1 sowie in der Entwicklung von Medizinprodukten und innovativen Softwarelösungen.


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