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Automatisierte Accessibility-Tests sind ein wichtiger Baustein moderner Qualitätssicherung. In meiner Bachelorarbeit habe ich untersucht, wie weit sich Barrierefreiheit automatisieren lässt und wo die Grenzen liegen. In diesem Beitrag zeige ich euch, warum erst das Zusammenspiel aus Tools, Prozessen und menschlicher Bewertung wirklich funktioniert.

Barrierefreiheit als Qualitätsproblem nicht als Einzelmaßnahme

In vielen Projekten wird Barrierefreiheit noch als nachgelagerte Prüfung verstanden.

Ein Test am Ende, ein Report, ein paar Fixes.

In der Praxis funktioniert das selten.

Gerade bei größeren Webanwendungen entstehen Barrieren nicht isoliert, sondern systematisch:

  • durch wiederverwendete Templates
  • durch komponentenbasierte Frontends
  • durch kontinuierliche Änderungen im Content

Das führt dazu, dass sich einmal entstandene Probleme schnell über viele Seiten hinweg vervielfältigen.

Barrierefreiheit ist damit kein punktuelles Thema, sondern ein strukturelles Qualitätsmerkmal digitaler Systeme.

Automatisierte Tests als skalierbare Grundlage

Genau hier setzen automatisierte Accessibility-Tests an.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich verschiedene Tools eingesetzt:

  • Lighthouse
  • axe-core
  • Pa11y

Das Ganze wurde mit jeweils einem Skript gemacht, mit dem sich mehrere URLs systematisch analysieren lassen.

Der zentrale Vorteil: Skalierbarkeit.

Während manuelle Prüfungen pro Seite mehrere Stunden dauern können, liefern automatisierte Tests Ergebnisse in Sekunden und das reproduzierbar.

Besonders zuverlässig erkennen sie:

  • fehlende Alternativtexte
  • unzureichende Farbkontraste
  • fehlende zugängliche Namen für interaktive Elemente
  • strukturelle HTML-Probleme

Damit eignen sie sich ideal als Baseline in der Qualitätssicherung.

Richtig eingesetzt, lassen sie sich direkt in Entwicklungsprozesse integrieren:

  • in Build-Pipelines
  • in Deployment-Prozesse
  • als regelmäßige Regressionstests

Barrierefreiheit wird so nicht nachträglich geprüft, sondern kontinuierlich abgesichert.

Wo Automatisierung nicht reicht

So leistungsfähig diese Tools sind, haben sie eine klare Grenze. Automatisierte Tests prüfen Regeln. Barrierefreiheit ist aber mehr als Regelkonformität.

In der Praxis lassen sich nur etwa 30 bis 35 % der Anforderungen der Web Content Accessibility Guidelines automatisiert zuverlässig prüfen. Diese bilden die technische Grundlage, decken jedoch nur einen Teil der tatsächlichen Barrierefreiheit ab.

Viele entscheidende Aspekte sind kontextabhängig:

  • Ist ein Alternativtext wirklich verständlich?
  • Ergibt die Fokusreihenfolge für Tastaturnutzung Sinn?
  • Ist eine Navigation logisch aufgebaut?
  • Funktioniert die Nutzung mit Screenreadern tatsächlich effizient?

Diese Fragen lassen sich nicht rein technisch beantworten. In meiner Analyse wurde das konkret sichtbar: Ein Teil der Probleme wurde ausschließlich durch manuelle Prüfungen erkannt. Das zeigt: Automatisierung liefert eine wichtige technische Baseline, ersetzt aber keine Bewertung der tatsächlichen Nutzungserfahrung.

Der entscheidende Punkt: Kombination statt Entweder-Oder

Die zentrale Erkenntnis meiner Arbeit ist daher kein Tool-Vergleich, sondern ein methodischer Ansatz.

Ein sinnvoller Umgang mit Barrierefreiheit kombiniert beide Perspektiven:

Automatisierte Tests für:

  • schnelle und breite Analysen
  • kontinuierliche Qualitätssicherung
  • Absicherung technischer Mindestanforderungen

Manuelle Tests für:

  • Bewertung der tatsächlichen Nutzbarkeit
  • kontextabhängige Anforderungen
  • komplexe Interaktionen

Erst diese Kombination ermöglicht eine effizient belastbare Bewertung.

Was das für Projekte bedeutet

Aus Projektsicht entsteht daraus ein klarer Handlungsrahmen:

Barrierefreiheit sollte

  • früh in der Entwicklung berücksichtigt werden
  • technisch automatisiert abgesichert werden
  • gezielt manuell überprüft werden

Und vor allem: Sie sollte in Prozesse integriert sein, nicht nur in Tools. Genau hier liegt auch der Unterschied zwischen punktuellen Maßnahmen und nachhaltiger Qualität.

Fazit

Automatisierte Accessibility-Tests sind ein zentraler Baustein moderner Qualitätssicherung. Sie ermöglichen Skalierung, Geschwindigkeit und eine kontinuierliche Absicherung technischer Anforderungen.

Außerdem zeigen die Ergebnisse klar: Barrierefreiheit ist nicht vollständig automatisierbar.

In meiner Untersuchung wurde die Startseite als Referenz für eine manuelle Vollprüfung gewählt, da sie die meisten Funktionalitäten und Komponenten abbildet. Die Seite wurde vollständig manuell analysiert. Dabei wurden insgesamt zwölf verletzte WCAG-Erfolgskriterien identifiziert.

Im direkten Vergleich dazu konnten die eingesetzten automatisierten Werkzeuge auf derselben Seite sechs dieser zwölf Kriterien erkennen. Diese Gegenüberstellung zeigt, dass ein relevanter Teil der technischen Anforderungen automatisiert geprüft werden kann, während ein ebenso großer Anteil weiterhin eine manuelle Bewertung erfordert.

Unter Berücksichtigung des verbleibenden manuellen Prüfaufwands sowie der notwendigen Interpretation der automatisierten Ergebnisse konnte in der Untersuchung gezeigt werden, dass durch die Kombination beider Verfahren eine Reduktion des Prüfaufwands um rund 50 % möglich ist.

Entscheidend ist daher nicht die vollständige Automatisierung, sondern die gezielte Kombination automatisierter und manueller Prüfverfahren.


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Bild Adel  Shikh Zenal

Autor Adel Shikh Zenal

Adel ist seit Dezember 2023 als Werkstudent in der Geschäftsstelle München aktiv. Er arbeitet aktuell im Bereich des manuellen und automatisierten Testens und übernimmt seit kurzem auch erste kleine Entwicklungsaufgaben.


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