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Montagmorgen, 7:45 Uhr. Die Systeme stehen still. Ransomware. Bestandsführung, Schadenmanagement, Kundenportal, E-Mail, Telefonie über Teams – nichts geht mehr. Schadenmeldungen laufen ins Leere, Leistungszahlungen stocken, Makler und Kundinnen erhalten keine Auskunft. Und mit jeder Stunde wachsen die Kosten, der Reputationsschaden und der Druck auf alle Beteiligten. Für Versicherer kommt eine Besonderheit hinzu: Aufsichtsrechtliche Meldefristen laufen bereits an, während die eigene Infrastruktur, über die man melden und sich koordinieren müsste, nicht mehr genutzt werden darf. Wer schon einmal in ein Unternehmen mit einem schweren Cyber-Vorfall hineingeschaut hat, kennt das Bild: Chaos, Stress, hohe Emotionen. Genau in diesem Zustand fällt es Menschen am schwersten, strukturiert in die Umsetzung zu kommen. Erfahrungswerte aus der Incident Response zeigen: Große Unternehmen brauchen oft eine Woche und länger, bis sie wirklich koordiniert in die Ausführungsphase gelangen. Eine verlorene Woche – im Ernstfall die teuerste Woche des Jahres.

Ein durchdachtes Business Continuity Management (BCM) ist die Versicherung gegen diesen Stillstand – ein Bild, das der Branche vertrauter ist als jeder anderen. Doch Pläne, die ausgedruckt in Schubladen liegen, retten niemanden. Im Ernstfall zählt, wie schnell und koordiniert eine Organisation reagieren kann. Genau hier setzt der Panik Button an: eine Cyber-Resilience-Plattform, die auf Knopfdruck eine vollständige, saubere Notfallumgebung bereitstellt – innerhalb von einer Stunde statt einer Woche.

Warum gerade Versicherer im Fokus stehen

Versicherer sind für Angreifer ein attraktives Ziel: Sie verwalten hochsensible Gesundheits-, Finanz- und Vertragsdaten von Millionen Kundinnen und Kunden, betreiben historisch gewachsene Anwendungslandschaften mit vielen Schnittstellen zu Maklern, Dienstleistern und Assekuradeuren – und ihr Geschäftsmodell basiert auf Vertrauen. Ein längerer Ausfall trifft deshalb nicht nur den Betrieb, sondern das Kernversprechen der Branche: im Ernstfall verlässlich für die Kunden da zu sein. Wenn ausgerechnet im Schadenfall niemand erreichbar ist und Leistungen nicht ausgezahlt werden können, entsteht ein Reputationsschaden, der weit über den unmittelbaren Vorfall hinauswirkt.

Das Problem: Wenn die eigene Infrastruktur zum Gegner wird

Bei einem schweren Sicherheitsvorfall wiederholen sich drei Muster. Erstens: Menschen unter Stress können sich nicht selbst organisieren. Zweitens: Es fehlt eine sichere Plattform für Krisenkommunikation und Recovery. Die eigene Infrastruktur ist kompromittiert oder muss als kompromittiert gelten – und wer dann auf private Gmail-Postfächer und Schatten-IT ausweicht, verlagert sensible Kunden- und Vertragsdaten in ungesicherte Kanäle, die der Angreifer im Zweifel mitliest. Für ein Unternehmen, das mit besonders schützenswerten Daten arbeitet, ist das keine Option. Drittens: Die benötigten Informationen sind nicht verfügbar. Incident-Response-Pläne, Playbooks, Netzwerkdiagramme und Kommunikationsmatrizen liegen – wenn es sie überhaupt gibt – in unterschiedlichen Versionen an unterschiedlichen Orten oder auf Systemen, auf die niemand mehr zugreifen kann.

Sichere Plattform, Struktur und Information: Aus diesen drei Anforderungen ist der Panik Button entstanden.

Der Core Layer: In einer Stunde vom Chaos zur Struktur

Wird der Panik Button ausgelöst, entsteht per Infrastructure as Code eine komplett neue, saubere Microsoft-365- und Azure-Umgebung auf einer separaten Domain – im Durchschnitt in rund 22 Minuten, garantiert innerhalb einer Stunde. Diese Umgebung ist bewusst nicht mit der Infrastruktur des Versicherers verbunden: keine Anbindung an das Produktionsnetz, keine Synchronisation mit dem Active Directory. So wird Lateral Movement durch Angreifer per Design ausgeschlossen.

Die neue Umgebung ist dabei kein leerer Raum, sondern bereits vollständig vorkonfiguriert:

  • War Rooms nach Disziplinen: In Microsoft Teams stehen sofort ein IT-, ein Kommunikations- und ein Management-War-Room bereit – mit den richtigen internen und externen Personen, etwa dem IT-Dienstleister oder Cyber-Resilience-Partner. Für Versicherer besonders relevant: Auch Compliance, Datenschutz und Recht lassen sich als eigener War Room vorkonfigurieren, damit Meldungen an die Aufsicht und an Betroffene fristgerecht koordiniert werden können.
  • Vorgeplante Krisenmeetings: Aus den Incident-Response-Plänen des Versicherers werden im Vorfeld Meeting-Strukturen abgeleitet und für die ersten 24 bis 72 Stunden vorterminiert. Beim Auslösen füllen sich die Kalender automatisch – niemand muss sich erst organisieren.
  • Die richtige Information im richtigen Raum: Incident-Response-Pläne, Kommunikationsmatrizen, Meldewege und Architekturzeichnungen werden diszipliniert je War Room injiziert. Alle starten mit demselben Informationsstand.
  • Onboarding per SMS: Alle relevanten Mitarbeitenden erhalten eine Textnachricht mit Link und initialem Passwort – SMS deshalb, weil die kompromittierte Unternehmens-E-Mail nicht mehr genutzt werden darf. Ein Detail am Rande zeigt, wie durchdacht die Adoption ist: Aus den Initialpasswörtern sind verwechselbare Zeichen wie O, 0, I und l entfernt, weil Menschen unter Stress Tippfehler machen.

Weil die Plattform auf Microsoft 365 basiert, entfällt zudem die Lernkurve: Nahezu jede und jeder kann mit Teams, Outlook und SharePoint umgehen – ein entscheidender Faktor, wenn die Nerven blank liegen.

Minimum Viable Insurer: Weniger ist mehr

Über den Core Layer hinaus geht es um Business Continuity – und damit um die zentrale konzeptionelle Frage: Was braucht ein Versicherer wirklich, wenn alles ausfällt? Fragt man Kunden, lautet die erste Antwort immer „alles“. Aber alles ist nicht möglich, nicht bezahlbar und nicht wartbar. Der Ansatz der Minimum Viable Company identifiziert die tatsächlich kritischen Prozesse, Daten und Anwendungen – und lässt bewusst weg, was das Unternehmen auch acht bis zehn Wochen entbehren kann, ohne existenziellen Schaden zu nehmen. Für einen Versicherer stehen dabei typischerweise die Schadenannahme und -regulierung, die Auszahlung von Leistungen und Renten, die Erreichbarkeit für Kunden und Vertriebspartner sowie die aufsichtsrechtlichen Meldewege im Zentrum – während etwa Neugeschäftsprozesse oder das Kampagnenmanagement eine Zeit lang pausieren können. Diese Diskussion ist intern nicht immer bequem, aber sie ist der Kern jeder tragfähigen Continuity-Strategie. Und sie ist klassische Beratungsarbeit: Business Impact Analyse, Kritikalitätsbewertung, RTO- und RPO-Erhebung.

Fünf Module für die Betriebskontinuität

Auf Basis der Minimum Viable Company lässt sich die Lösung modular aufbauen:

  • Essential Data Continuity: Geschäftskritische Basisdaten wie Vertrags- und Policendaten, SLAs, Provisions-, Planungs- und CRM-Daten werden als geprüfte Flat Files in einen Secure Data Container repliziert und stehen im Ernstfall sofort in SharePoint bereit. So können Sachbearbeitung und Kundenservice auskunftsfähig bleiben, auch wenn die Bestandssysteme stehen.
  • SaaS Continuity: Fällt der Identity Provider aus oder wird er im Zuge der Forensik isoliert, funktioniert auch kein Single Sign-on mehr. Der Panik Button übernimmt temporär die Rolle des Security Providers für die kritischen SaaS-Anwendungen – inklusive Nutzer-Mapping, sodass Mitarbeitende mit ihren gewohnten Profilen weiterarbeiten.
  • On-Premise Continuity: Kritische lokale Systeme – bei Versicherern häufig historisch gewachsene Bestandsführungs- und Host-Umgebungen – werden durch dedizierte Security-Hardware-Nodes geschützt, im Krisenfall vollständig vom Netz isoliert und über eine separate 5G-APN-Verbindung sicher wieder verfügbar gemacht.
  • OT Continuity: In Kombination mit militärtauglicher Intrusion-Detection- und Prevention-Hardware lassen sich auch Operational-Technology-Objekte überwachen, isolieren und mit einfachen Steuerbefehlen weiterbetreiben – relevant etwa für Rechenzentrums- und Gebäudeinfrastruktur. Selbst Air-Gap-Umgebungen können über gesicherte Funkverbindungen einbezogen werden.
  • Specialist Workplaces: Virtuelle Desktops mit Spezialsoftware – etwa aktuarielle Anwendungen oder Fat Clients für Altsysteme in der Schaden- und Leistungsbearbeitung – werden auf Knopfdruck bereitgestellt.

Wie wirksam dieser Ansatz in der Finanz- und Versicherungswelt ist, zeigt ein Beispiel aus den Niederlanden: Ein großer Pensionsfonds mit über einer Million Leistungsempfängerinnen und -empfängern hätte nach eigener Analyse acht bis zehn Wochen für eine vollständige Wiederherstellung benötigt – mit der DORA-Regulatorik unvereinbar. Heute kann er im Krisenfall über eine in Azure vorkonfigurierte, offline gehaltene SWIFT-Umgebung innerhalb einer Stunde wieder Zahlungen ausführen. Ein Szenario, das sich unmittelbar auf Renten- und Leistungszahlungen von Versicherern übertragen lässt.

Security by Design

Eine Notfallplattform ist nur so gut wie ihr eigenes Sicherheitskonzept. Der Panik Button setzt deshalb konsequent auf Angriffsflächenminimierung: Die Fallback-Umgebung existiert im Normalbetrieb schlicht nicht – was nicht existiert, kann nicht angegriffen werden. Nur der Secure Data Container ist dauerhaft vorhanden, gehostet auf einem Private Endpoint ohne direkte Internetverbindung, mit verschlüsselten Daten – auf Wunsch mit kundeneigenen Schlüsseln, wie es DORA-regulierte Finanz- und Versicherungsunternehmen häufig fordern. Der zugehörige Tenant enthält genau ein Konto, dessen Passwort und MFA-Faktor organisatorisch getrennt verwahrt werden. Datenübertragungen laufen ausschließlich über eine „Cleaning Room“ genannte Prüfstrecke, die nur Flat Files zulässt und mehrfach auf Schadcode scannt. Die im Ernstfall erzeugte Umgebung gehört rechtlich dem Kunden – nach dem Aufbau hat selbst der Hersteller keinen Zugriff mehr. Und für Versicherer mit Souveränitätsanforderungen kann der Secure Data Container in einer Private Cloud betrieben werden.

Hundertprozentige Sicherheit kann niemand garantieren – das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Aber die Architektur reduziert die Risiken konsequent dort, wo Angreifer typischerweise ansetzen.

Regulatorik: DORA macht Reaktionsfähigkeit zur Pflicht

Kaum eine Branche steht regulatorisch so im Fokus wie die Versicherungswirtschaft. Mit DORA gilt seit Januar 2025 ein unmittelbar anwendbarer Rechtsrahmen für Versicherer und Rückversicherer, der die bisherigen aufsichtlichen IT-Anforderungen abgelöst hat – und der nicht nur dokumentierte Notfallpläne verlangt, sondern nachweislich getestete digitale operationale Resilienz: vom IKT-Risikomanagement über enge Meldefristen bei schwerwiegenden Vorfällen bis zu regelmäßigen Tests der Reaktions- und Wiederherstellungsfähigkeit. Genau hier zahlt der Panik Button doppelt ein: Versicherer können ihre Notfallumgebung zweimal jährlich in einer separaten Testumgebung durchspielen – als Tabletop-Übung oder Live-Simulation mit echtem Knopfdruck. Diese Übungen liefern die Nachweise, die Prüfer und Aufsicht sehen wollen, und decken regelmäßig Lücken auf: Erst in der Simulation merken viele Beteiligte, welche Information ihnen im Ernstfall gefehlt hätte. Mit dem für Ende 2026 angekündigten Crisis Command Center kommen zudem Krisenmanagement-Templates, Massenkommunikation per SMS mit Zwei-Wege-Statusabfrage (Stichwort Duty of Care) und revisionssichere Protokollierung hinzu.

Der zweite Blickwinkel: Versicherer als Risikoträger

Für Versicherer ist Cyber-Resilienz gleich doppelt relevant – nicht nur für den eigenen Betrieb, sondern auch im Underwriting. Wer Cyber-Policen zeichnet, weiß: Die Schadenhöhe bei Ransomware wird maßgeblich von der Dauer der Betriebsunterbrechung bestimmt. Eine Plattform, die die Zeitspanne zwischen Vorfall und koordinierter Reaktion von Wochen auf eine Stunde verkürzt, verändert das Risikoprofil eines Versicherungsnehmers spürbar. Nachweislich getestete Continuity-Fähigkeiten werden damit zu einem relevanten Kriterium in der Risikoprüfung – und für Unternehmen zu einem Argument für ihre Versicherbarkeit. Für Cyber-Versicherer lohnt es sich deshalb, Lösungen wie den Panik Button auch aus der Perspektive der Schadenprävention und des Portfoliorisikos zu betrachten.

Technologie braucht Vorbereitung: die Rolle der Beratung

So beeindruckend die Plattform ist – sie ist kein Selbstläufer. Ihre Wirksamkeit steht und fällt mit der Vorbereitung: Welche Prozesse sind kritisch? Wer darf den Button drücken? Welche War Rooms braucht es, mit wem besetzt? Welche Daten müssen in welcher Frequenz gesichert werden? Wie sehen Meldewege, Kommunikationspläne und Playbooks aus – auch gegenüber der Aufsicht? Unsere Erfahrung zeigt: Selbst große Häuser haben ihre Incident-Response-Pläne und Playbooks häufig nicht in einem Zustand, der im Ernstfall trägt. Der Beratungsanteil einer Panik Button-Einführung ist deshalb bewusst hoch – von der Business Impact Analyse über die Definition der Minimum Viable Company bis zu regelmäßigen Übungen und der kontinuierlichen Verbesserung.

Oder auf den Punkt gebracht: Continuity Management sagt Ihnen, was zu tun ist. Der Panik Button sorgt dafür, dass es sofort passiert.

Fazit

Die Frage ist längst nicht mehr, ob ein schwerer Cyber-Vorfall eintritt, sondern wann – und ob ein Versicherer in diesem Moment handlungsfähig bleibt: gegenüber Kunden, Vertriebspartnern und der Aufsicht. Der Panik Button verkürzt die kritische Zeitspanne zwischen Vorfall und koordinierter Reaktion von Tagen auf eine Stunde: mit einer sauberen, isolierten Notfallumgebung, vorbereiteten Strukturen und den richtigen Informationen am richtigen Ort. Kombiniert mit einem fundierten Business Continuity Management entsteht so echte Cyber-Resilienz – DORA-konform belastbar, praktisch erprobt und im entscheidenden Moment nur einen Klick entfernt.

Sie möchten wissen, wie widerstandsfähig Ihr Haus im Ernstfall wirklich ist? Bei adesso begleiten wir Versicherer ganzheitlich: von der Business Impact Analyse über die Entwicklung Ihrer BCM- und Disaster-Recovery-Strategie bis zur Implementierung und dem regelmäßigen Testen einer Notfallplattform wie dem Panik Button. Sprechen Sie uns an.


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Autor Madru Kortz

Madru Kortz ist Team Lead im Bereich Information Security der Line of Business IT-Management Consulting der adesso SE. In den letzten Jahren hat er seinen Schwerpunkt auf Informationssicherheit im regulierten Umfeld gelegt. Er eignete sich in diesem Bereich fundierte Fachkenntnisse hinsichtlich der Einführung, Optimierung und Weiterentwicklung des Informationssicherheitsmanagementsystems (ISMS) und der Umsetzung aufsichtsrechtlicher Anforderungen an. 

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