Steckenpferd

Dr. Olaf Boczan: CC-Leiter bei adesso und Mitglied der Amateurfunk-Nationalmannschaft

Dr. Olaf Boczan leitet bei adesso ein Competence Center „Cross Industries Consulting“ und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule München im Fachbereich Informatik. Zu seinem Hobby Amateurfunk kam er bereits während seines Studiums. Sein damaliger Studienort Ilmenau zählt zu den größten Amateurfunkstationen in Deutschland. Die deutsche Amateurfunk-Nationalmannschaft hat bereits zwölfmal den Weltmeistertitel geholt. Olaf war davon achtmal mit von der Partie.

Olaf, du betreibst dieses Hobby seit über 20 Jahren. Wie kamst du dazu?

Olaf Boczan: Über meinen Hochschulprofessor an der Universität Ilmenau, wo ich Anfang der 1990-er Jahre Informationstechnik studierte. Dieser Professor war aktiv im Verband der Amateurfunker, dem Deutschen Amateur-Radio-Club DARC e.V., und nahm mich mal mit zur Amateurfunkstation in Ilmenau.

Braucht man als Amateurfunker eine Art Ausbildung oder Lizenz?

Ja, im Gegensatz zum CB-Funk brauchen Amateurfunker eine Lizenz, um das Hobby ausüben zu können. Mit meinem Studium fiel mir diese Prüfung leicht – die technischen Grundlagen bringt man da mit.

Wo legt man denn diese Prüfung ab?

Bei der Bundesnetzagentur. Mit erfolgreich bestandener Prüfung bekommt man ein eigenes Funkrufzeichen, unter dem man dann lebenslang funken darf. Das ist bei mir das Rufzeichen DL3MXX.

Du wurdest recht schnell ein engagierter Amateurfunker! Und schon bald vom Verband in die deutsche Nationalmannschaft berufen?

Ja, wobei ich im Team vor allem für die Rechentechnik und klassische Koordinationsarbeit im Hintergrund zuständig bin. Da liegen meine Stärken. Beim Projektmanagement sozusagen. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde ich dann erstmals im Jahr 1996 Weltmeister.


Olaf bei seiner WM-Teilnahme 2014 als 2. Operator 80 Meter

Die Amateurfunk-WM gibt es seit 1986. Wie läuft denn der Wettbewerb ab?

Jedes Land darf eine Mannschaft aufstellen. Eine Mannschaft besteht aus rund 50 bis 90 ausgewählten Funkern. Der Wettbewerb dauert 24 Stunden. Da ist echtes Teamwork gefordert. Die Mannschaft, die in der Zeit die meisten Funkverbindungen mit den meisten Ländern aufbauen kann, gewinnt. Das deutsche Team funkt übrigens unter dem Funkrufzeichen DA0HQ.

Also ist die Funkerei gar keine so einsame Tätigkeit im stillen Kämmerlein? Gemäß dem Klischee des „verschrobenen Einzelgänger-Techie“?

Nein, ganz und gar nicht. Wir Amateurfunker leben intensiv den Gemeinschaftsgedanken in unseren Ortsverbänden. Wir treffen uns häufig in unseren Vereinen, funken gemeinsam bei Wettkämpfen, betreiben intensive Nachwuchsarbeit für Kinder und Jugendliche, gehen in die Schulen und vermitteln so unser Wissen an die junge Generation. Hinzu kommt die ehrenamtliche Arbeit für das Gemeinwohl im Katastrophenfall und bei Notfällen, wenn andere Kommunikationsmöglichkeiten ausfallen, unterstützen Amateurfunker die Einsatzkräfte mit ihrer Technik.


Olaf an der 40 Meter-Funkstation des Amateurfunk-Ortsverbandes Ilmenau

Du hast noch ein Zusatzhobby, das dich mit dem Amateurfunk verbindet?

Ja, ich klettere gerne auf Berge, auf denen noch kein Funker war. Das ist ein herrliches Gefühl. Beim Aufstieg ist oft kein Mensch weit und breit – danach suche ich diese Berge ja aus (da gibt es in der Community eigens eine Website für). Und oben angelangt, wenn ich meine Funkanlage aufbaue, verbinde ich meine Hobbys auf interessante Weise.

Das sieht dann konkret wie aus?

Ich möchte von da oben herausfinden, wie weit ich vom Berggipfel aus meine Funkwellen in die Welt schicken kann. Und wenn sich daraufhin jemand aus Tokio, Neufundland oder auch nur aus Kufstein meldet, ist das ein erhebendes Gefühl. Für diesen Moment lohnt sich die ganze Strapaze, denn diese Berge sind ja meist sehr schwierig zu begehen und das Equipment ist auch nicht ganz leicht.


Olaf Boczan beim Funken nach einer Besteigung des Rehleitenkopfes (Bergreferenz DL/MF-062) - Erstbesteigungen von Funkern sind dokumentiert unter http://www.sotadata.org.uk

Was tauscht man mit so komplett Fremden in der großen weiten Welt aus?

Den Standort, Informationen über das Wetter und eine Vielzahl von technischen Details zur verwendeten Funkstation. Ich persönlich funke nicht, um neue Leute kennenzulernen oder bei Reisen in ferne Länder zu treffen. Mich interessiert in erster Linie der technische Aspekt am Amateurfunk. Also die Frage: Wie weit komme ich mit meinen Funksignalen? Das ist die Spannung.

Schon fast kurios bei der Sache ist, dass man dich weder auf Facebook noch auf Xing oder Twitter findet. Diese modernen Formen der Kommunikation scheinen dich nicht zu interessieren?

Nein, nicht als User. Ich habe ja genug Verbindung in die Welt. Die Social Media üben nicht annähernd diese Faszination für mich aus. Und modern ist unsere Funktechnik allemal – wir probieren ständig die neuesten Geräte und Technologien aus.

Weiterführende Links:

Zur Amateurfunk-WM:
https://www.youtube.com/watch?v=HQAqo23UTAA

Zum Hobby Amateurfunk:
https://www.youtube.com/watch?v=O5eAPj9x23g

Dr. Olaf Boczan...

... leitet bei adesso ein Competence Center „Cross Industries Consulting“ und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule München im Fachbereich Informatik. Der promovierte Informationstechniker betreut darüber hinaus die Studenten, die bei adesso regelmäßig das halbjährige „adesso-Rotationspraktikum“ absolvieren.

E-Mail: olaf.boczan@adesso.de

Bildnachweis: Dr. Olaf Boczan

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